Was ist eine Vergleichsnadel bei der Strichprobe?
Die Vergleichsnadel ist das unscheinbarste Werkzeug im Ankauf und zugleich das, was aus einer Schätzung eine Messung macht.
Bild: KI-erzeugtEin Stäbchen mit bekanntem Feingehalt. Sein Strich wird neben den Prüfstrich gesetzt und mit derselben Säure betupft. Ohne diesen Vergleich ist die Probe nur eine Schätzung.
Was sie ist
Eine Vergleichsnadel besteht aus einer Legierung mit exakt bekanntem Feingehalt, aufgelötet auf einen Stiel aus unedlem Metall. Ein Satz umfasst typischerweise die gängigen Stufen von 333 über 375, 585, 750 bis 900 und 999, oft getrennt nach Gelb-, Rot- und Weißgold, weil die Beimetalle das Reaktionsverhalten verändern. Ein vollständiger Satz kostet je nach Umfang zwischen 100 Euro und 400 Euro.
Warum der Vergleich nötig ist
Prüfsäuren altern, verlieren an Konzentration und reagieren temperaturabhängig. Auch die Oberfläche des Prüfsteins verändert sich mit dem Gebrauch. Wer nur den Prüfstrich betupft und das Ergebnis nach Gefühl bewertet, misst all diese Störgrößen mit. Liegt daneben ein Strich mit bekanntem Gehalt, fallen sie heraus: Beide Striche erfahren dieselbe Säure, dieselbe Temperatur, denselben Stein.
Wie richtig verglichen wird
Der Prüfstrich und der Nadelstrich werden dicht nebeneinander gezogen, etwa gleich stark und gleich lang. Dann kommt ein einziger Tropfen Säure quer über beide. Verhalten sie sich gleich, stimmt der Gehalt näherungsweise mit der Nadel überein. Löst sich der Prüfstrich schneller, liegt er darunter. Bei Bedarf wird mit der nächsthöheren oder niedrigeren Nadel wiederholt.
Die erreichbare Genauigkeit
Sorgfältig ausgeführt trifft das Verfahren den Feingehalt auf etwa 10 bis 20 Tausendstel. Zum Vergleich: Röntgenfluoreszenz liegt bei rund 5 Tausendsteln, die Kupellation im Labor unter 1 Tausendstel. Für einen Ring ist die Strichprobe damit ausreichend genau, für einen Posten von mehreren Kilogramm nicht, denn dort entsprechen 20 Tausendstel bereits einem vierstelligen Betrag.
Woran Sie sorgfältige Arbeit erkennen
Der Prüfer zieht mehr als einen Strich, benutzt sichtbar eine Nadel und feilt bei Verdacht auf Vergoldung an einer unauffälligen Stelle an. Er nennt Ihnen das Ergebnis in Tausendsteln und nicht nur einen Preis. Wer die Ware nur ansieht, wiegt und dann eine Summe nennt, hat den Feingehalt geschätzt, und bei gemischten Posten geht das regelmäßig zu Ihren Lasten.
Was Sie daraus machen können
Fragen Sie im Ankauf nach dem gemessenen Feingehalt je Position und lassen Sie ihn auf den Beleg schreiben. Bei einem Posten von 150 Gramm entscheidet der Unterschied zwischen 585 und 565 über rund 232 Euro. Das ist genau die Größenordnung, in der sich Nachfragen lohnen, und ein Händler, der sauber mit Vergleichsnadel arbeitet, beantwortet sie ohne Zögern. Ein Wort zur Pflege der Nadeln, das erklärt, warum sie im Alltag oft fehlen: Sie oxidieren an der Oberfläche und müssen gelegentlich angeschliffen werden, sonst reagiert die Säure anders als beim frischen Prüfstrich. Ein Satz, der jahrelang in der Schublade lag, führt deshalb zu systematisch zu niedrigen Ergebnissen. Wer als Verkäufer eine deutlich zu tiefe Einstufung bekommt, darf danach fragen, wann die Nadeln zuletzt aufgefrischt wurden. Das ist keine Schikane, sondern der zweithäufigste Grund für Abweichungen nach der Vergoldung. Der häufigste bleibt die Lötstelle: Wer zufällig darauf misst, bekommt einen Wert, der 20 bis 100 Tausendstel zu niedrig liegt. Deshalb gehören zu jeder Bewertung mehrere Messpunkte und nicht nur einer.
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)