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Goldhandel · Prüfung & Echtheit

Wie funktioniert der Säuretest bei Gold?

Die Strichprobe ist das älteste noch gebräuchliche Prüfverfahren im Edelmetallhandel. Sie ist schnell, billig und in der Hand eines Geübten erstaunlich genau.

Wie funktioniert der Säuretest bei Gold?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Das Stück wird über einen Prüfstein gestrichen und der Abrieb mit Säuren steigender Stärke betupft. Löst sich der Strich auf, liegt der Feingehalt unter der geprüften Stufe.

Der Ablauf

Auf einem dunklen Prüfstein aus Kieselschiefer oder Basalt wird mit dem Werkstück ein kräftiger Strich gezogen. Auf den zurückbleibenden Metallabrieb kommt ein Tropfen Prüfsäure. Für jede Feingehaltsstufe gibt es eine eigene Säure, üblich sind Flaschen für 333, 585, 750 und 900. Bleibt der Strich stehen, erreicht das Material mindestens diese Stufe. Löst er sich auf oder verfärbt er sich deutlich, liegt es darunter. Geprüft wird von der vermuteten Stufe aus aufwärts, bis die Säure den Strich angreift.

Warum ein Vergleichsstrich dazugehört

Erfahrene Prüfer ziehen neben den Prüfstrich einen zweiten mit einer Vergleichsnadel bekannten Feingehalts. Beide Striche werden gleichzeitig betupft, und die Reaktion wird verglichen. Das gleicht Temperatur, Alter der Säure und Beschaffenheit des Steins aus, also genau die Faktoren, die eine Einzelprobe unsicher machen. Ohne Vergleichsnadel ist die Strichprobe eine Schätzung, mit ihr eine Messung.

Wo sie versagt

Sie prüft die Oberfläche. Ein dick vergoldetes Messingstück besteht die Probe, wenn zu vorsichtig gestrichen wurde. Deshalb wird bei Verdacht an einer unauffälligen Stelle bis auf den Kern gefeilt und erst dann gestrichen. Das hinterlässt eine kleine Spur, die bei Bruchgold gleichgültig ist und bei einem intakten Schmuckstück nicht. Vor dem Feilen gehört deshalb die Frage an den Kunden.

Die Sicherheitsseite

Die Prüfsäuren enthalten Salpetersäure, teils mit Salzsäure als Königswasser. Sie sind ätzend und werden nach der Gefahrstoffverordnung behandelt: verschlossene Originalflaschen, Handschuhe, Augenschutz, Absaugung oder guter Luftaustausch. Für den Hausgebrauch sind sie nichts, und die im Internet angebotenen Sets ohne Sicherheitsdatenblatt sind es erst recht nicht.

Das Verhältnis zu moderneren Verfahren

Die Röntgenfluoreszenz misst schneller, ohne Abrieb und ohne Chemie, kostet aber ein Gerät im vierstelligen Bereich und unterliegt dem Strahlenschutzrecht. Für einen kleinen Betrieb bleibt die Strichprobe deshalb das Arbeitsmittel der Wahl, oft ergänzt um eine Röntgenmessung bei größeren Posten. Beide Verfahren haben dieselbe Schwäche, nämlich die Beschränkung auf die Oberfläche.

Was Sie als Kunde davon haben

Wenn ein Ankäufer streicht, statt nur zu wiegen, arbeitet er sorgfältig. Fragen Sie nach dem Ergebnis in Tausendsteln und lassen Sie es auf dem Beleg vermerken. Weicht es von der Punze ab, fragen Sie, ob mit Vergleichsnadel geprüft wurde und an wie vielen Stellen. Bei einem Posten von 100 Gramm entscheidet eine Stufe zwischen 585 und 500 über rund 650 Euro, und diese Differenz sollte auf einer sauberen Probe beruhen, nicht auf einem Blick. Zur Einordnung der Genauigkeit: Eine sorgfältige Strichprobe mit Vergleichsnadel trifft den Feingehalt in der Praxis auf etwa 10 bis 20 Tausendstel genau, die Röntgenfluoreszenz auf rund 5 Tausendstel, die Kupellation im Labor auf unter 1 Tausendstel. Bei 100 Gramm Material entsprechen 20 Tausendstel rund 155 Euro. Für einen Ring ist das ohne Bedeutung, für einen Posten von mehreren Kilogramm ist es der Grund, warum dort im Labor geprüft wird und nicht am Tresen. Und lassen Sie sich vor dem Feilen an sichtbarer Stelle fragen, das ist guter Brauch und bei einem intakten Schmuckstück auch Ihr gutes Recht.

Quellen
  1. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
  2. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.