Was ist eine Röntgenfluoreszenzanalyse bei Gold?
Das Gerät sieht aus wie eine Pistole und steht in jedem größeren Ankauf. Es misst schnell und genau, aber es misst nicht das, was viele annehmen.
Bild: KI-erzeugtEin berührungsloses Messverfahren, das die Elementzusammensetzung der Oberfläche in Sekunden bestimmt. Es erfasst nur die obersten Mikrometer und erkennt keinen Fremdkern.
Wie das Verfahren arbeitet
Das Gerät bestrahlt die Probe mit Röntgenstrahlung. Die Atome der Probe geben daraufhin Strahlung mit einer für jedes Element charakteristischen Energie ab, die sogenannte Fluoreszenzstrahlung. Ein Detektor misst diese Energien und ihre Intensität, daraus errechnet die Software die Zusammensetzung. Eine Messung dauert je nach Gerät zwischen 5 und 30 Sekunden und zerstört die Probe nicht. Angezeigt werden Gold, Silber, Kupfer, Zink, Palladium, Nickel und weitere Elemente, meist in Prozent oder in Tausendsteln.
Die entscheidende Einschränkung
Röntgenfluoreszenz ist ein Oberflächenverfahren. Bei Gold dringt die Anregung nur wenige Mikrometer tief ein, weil das Material die Strahlung stark absorbiert. Gemessen wird also die äußerste Schicht, nicht der Kern. Ein vergoldeter Wolframbarren mit einer Goldauflage von 0,1 Millimetern zeigt am Gerät ein sauberes Ergebnis von 999,9. Genau deshalb ersetzt die Analyse bei Barren keine Ultraschall- oder Dichteprüfung. Bei dünnem Schmuck ist die Einschränkung geringer, aber auch dort kann eine Vergoldung das Ergebnis verfälschen.
Wo sie ihre Stärke hat
Bei Altgold ist sie unschlagbar. Ein gemischter Posten aus Ringen, Ketten und Bruch lässt sich Stück für Stück in Sekunden nach Feingehalt sortieren, ohne dass etwas beschädigt wird. Auch bei Weißgold zeigt sie sofort, ob Palladium oder Nickel legiert wurde, was für den Wert einen Unterschied macht. Und sie erkennt Lötstellen: Weicht ein Messpunkt deutlich ab, wurde wahrscheinlich auf einer Naht gemessen.
Was ein gutes Ergebnis ausmacht
Verlässlich wird die Messung erst durch das Vorgehen. Die Fläche muss sauber und eben sein, Politurreste und Cremeschichten verfälschen. Gemessen wird an mehreren Stellen, nicht an einer. Das Gerät muss kalibriert sein, sonst driftet es. Fragen Sie im Ankauf ruhig, an wie vielen Punkten gemessen wurde: Bei einem Ergebnis, das deutlich unter der Punze liegt, ist das die erste Ursache, die man ausschließen sollte.
Strahlenschutz und Zugang
Die Geräte arbeiten mit ionisierender Strahlung und unterliegen dem Strahlenschutzrecht. Sie brauchen eine Anzeige oder Genehmigung, geschultes Personal und eine regelmäßige Prüfung. Für Privatpersonen sind sie deshalb praktisch nicht zugänglich, und die im Internet angebotenen Billiggeräte sind meist keine Röntgenfluoreszenzanalysatoren, sondern Leitfähigkeitsmesser mit anderer Aussagekraft. Wenn Sie eine unabhängige Messung wollen, gehen Sie zu einer Scheideanstalt. Dort kostet eine Einzelmessung meist zwischen 20 Euro und 50 Euro und Sie bekommen ein schriftliches Ergebnis, das im Streitfall etwas wert ist. Eine letzte Einordnung: Die Röntgenfluoreszenz beantwortet die Frage nach der Legierung, nicht die Frage nach der Echtheit. Für einen Posten Altgold von 200 Gramm ist sie das richtige Werkzeug, für einen einzelnen Barren von 1 Kilogramm ist sie das falsche. Wer beides verwechselt, hält ein sauberes Messprotokoll in der Hand und trotzdem eine Fälschung. Verlangen Sie bei Barren deshalb ausdrücklich eine Ultraschallprüfung oder eine Dichtebestimmung, und lassen Sie sich das Ergebnis mit Gerät und Datum schriftlich geben.