Woran erkennt man eine gegossene Fälschung?
Die meisten Münzfälschungen entstehen im Gussverfahren, weil Prägewerkzeuge teuer sind. Genau daran scheitern sie unter der Lupe.
Bild: KI-erzeugtAn weichen Konturen, Poren im Feld und unsauberer Randriffelung. Geprägte Münzen haben scharfe Kanten, gegossene Kopien verlieren beim Erstarren die Schärfe.
Der Unterschied im Verfahren
Eine echte Anlagemünze wird geprägt: Ein Rohling wird mit hohem Druck zwischen zwei Stempel gepresst, das Metall fließt in jede Vertiefung, und die Kanten werden messerscharf. Beim Guss fließt flüssiges Metall in eine Form und erstarrt. Dabei zieht es sich zusammen, Gase entweichen, und die feinsten Details verlieren an Schärfe. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick gleich aus und hält der Lupe nicht stand.
Die verräterischen Merkmale
Achten Sie auf kleine runde Poren im glatten Feld, die beim Guss durch eingeschlossene Gase entstehen. Auf Buchstaben und Ziffern mit weichen, leicht abgerundeten Flanken statt scharfer Kanten. Auf eine Gussnaht, die als feine Linie um den Rand läuft, oft nachgearbeitet, aber selten vollständig entfernt. Und auf eine Randriffelung mit ungleichmäßiger Teilung: Beim Prägen entsteht sie in einem Arbeitsgang und ist perfekt regelmäßig.
Der Vergleich ist entscheidend
Alle diese Merkmale erkennt man leicht, wenn eine echte Münze danebenliegt, und schwer, wenn nicht. Legen Sie deshalb ein Referenzstück daneben und betrachten Sie beide unter derselben Lupe im selben Licht. Eine zehnfache Vergrößerung genügt, ein Stereomikroskop ist komfortabler, aber nicht nötig. Achten Sie besonders auf die feinsten Details des Motivs, denn dort schlägt der Unterschied zuerst durch.
Maße und Gewicht dazu
Gegossene Kopien treffen selten alle Maße. Beim Krügerrand müssen 33,93 Gramm Masse, 32,77 Millimeter Durchmesser und 2,84 Millimeter Dicke gleichzeitig stimmen. Weil beim Guss Schwindung auftritt, fällt eine Kopie meist etwas zu klein oder bei angepasster Form zu leicht aus. Messschieber und Waage entlarven das in einer Minute.
Was gute Fälschungen anders machen
Hochwertige Fälschungen werden geprägt, nicht gegossen, und tragen dann einen Kern aus Wolfram oder eine dicke Vergoldung. Sie bestehen Lupe, Klangtest und oft auch die Waage. Dagegen hilft nur eine Prüfung, die in die Tiefe misst, also Ultraschall oder eine sehr genaue Dichtebestimmung. Die Lupe erkennt den billigen Guss, nicht den teuren Nachbau.
Wo Ihnen so etwas begegnet
Praktisch nie beim Händler mit Rechnung, häufig auf Flohmärkten, in Kleinanzeigen und bei Angeboten aus dem Ausland. Die Faustregel bleibt: Ein Preis unter dem Metallwert ist kein Angebot, sondern eine Warnung. Bei einem Krügerrand mit einem Metallwert um 2.400 Euro sind 1.900 Euro kein Schnäppchen, sondern die Ansage, dass etwas nicht stimmt. Wer trotzdem kaufen will, tut das nur mit Prüfung vor der Zahlung, nicht danach. Ein Blick auf die Verhältnisse zum Schluss: Ein Prägestempelsatz kostet mehrere tausend Euro und lohnt erst ab hoher Stückzahl, eine Gussform aus Silikon ist für unter 50 Euro gemacht. Deshalb sind die allermeisten Fälschungen im Umlauf Gussstücke, und deshalb erkennt eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung für rund 15 Euro den größten Teil davon. Diese 15 Euro sind die beste Investition, die ein Privatkäufer machen kann. Und nehmen Sie sie zu jedem Privatkauf mit, nicht nur zum ersten. Eine Lupe mit eigener Beleuchtung ist die bessere Wahl, weil Poren im Feld nur im Streiflicht sichtbar werden.