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Goldhandel · Prüfung & Echtheit

Warum ist Wolfram die gefährlichste Fälschung bei Goldbarren?

Alle einfachen Prüfungen am Barren laufen letztlich auf eine Frage hinaus: Passt das Gewicht zum Volumen. Wolfram ist das einzige verfügbare Material, bei dem die Antwort ja lautet, ohne dass Gold im Spiel wäre.

Warum ist Wolfram die gefährlichste Fälschung bei Goldbarren?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Weil seine Dichte fast genau der von Gold entspricht. Ein Wolframkern mit Goldmantel wiegt richtig, misst richtig und besteht die Dichteprüfung. Nur Verfahren, die ins Innere sehen, decken ihn auf.

Die Zahl, die das Problem erklärt

Gold hat eine Dichte von 19,32 Gramm je Kubikzentimeter, Wolfram von 19,25. Der Unterschied beträgt 0,4 Prozent und liegt damit unterhalb dessen, was eine Messung mit Haushaltsmitteln auflösen kann. Kupfer mit 8,96 und Blei mit 11,34 Gramm je Kubikzentimeter fallen dagegen sofort auf, weil ein massegleicher Nachbau doppelt so groß ausfallen müsste. Bei Wolfram stimmt die Geometrie auf den Zehntelmillimeter. Deshalb versagt die Wasserverdrängung genau dort, wo der Schaden am größten wäre, nämlich bei großen Barren.

Warum niemand Wolfram gießt

Wolfram schmilzt bei 3.422 Grad, Gold bereits bei 1.064 Grad. Eine Legierung ist damit praktisch ausgeschlossen, ebenso ein gemeinsamer Guss. Fälschungen bestehen deshalb aus einem eingesetzten Kern: ein Stab, eine Platte oder mehrere Stifte aus Wolfram, umgeben von echtem Gold. Der Aufwand lohnt sich erst bei großen Stücken, weil der Goldmantel selbst Geld kostet. Bei 1-Gramm- und 10-Gramm-Barren ist das Verfahren wirtschaftlich sinnlos, bei 1 Kilogramm steht ein fünfstelliger Betrag im Raum.

Was trotzdem auffällt

Drei Dinge verraten den Kern auch ohne teures Gerät. Erstens der Klang: Ein massiver Goldbarren klingt beim leichten Anstoßen anders als ein geschichteter Aufbau, wenn auch weniger deutlich als bei Münzen. Zweitens die Wärmeleitung: Gold führt Wärme sehr gut ab, ein Eiswürfel schmilzt auf reinem Gold spürbar schneller als auf Wolfram. Drittens die Bearbeitungsspuren am Rand, wenn der Mantel nachträglich geschlossen wurde. Keiner der drei Punkte ist ein Beweis, alle drei zusammen sind ein Grund zur Messung.

Die Verfahren, die es sicher klären

Die Ultraschallmessung sieht den Kern über die Laufzeit, denn Schall läuft in Wolfram deutlich schneller als in Gold. Eine Röntgenfluoreszenzanalyse erfasst nur die Oberfläche und hilft hier gerade nicht, was oft verwechselt wird. Sicher, aber zerstörend sind Anbohren oder Anschnitt, die bei einem echten Barren den Wert mindern. Deshalb gilt die Reihenfolge: zuerst zerstörungsfrei ins Innere schauen, und nur bei bestätigtem Verdacht öffnen.

Wie man das Risiko von vornherein senkt

Die einfachste Maßnahme ist die Wahl der Stückelung. Wer statt eines Kilobarrens 10 Stücke zu 100 Gramm kauft, macht die Fälschung unwirtschaftlich und bleibt beim Verkauf flexibler. Der Aufschlag steigt dabei um etwa 1 bis 2 Prozentpunkte, was bei 50.000 Euro Einsatz grob 500 bis 1.000 Euro entspricht. Die zweite Maßnahme ist die Bezugsquelle: Ware aus dem Fachhandel mit Rechnung, nicht aus privater Hand ohne Beleg.

Wer beides beachtet, verlagert das Restrisiko dorthin, wo es hingehört, nämlich zum Händler mit Prüftechnik. Für den privaten Bestand bleibt damit eine schlichte Regel: Große Barren nur mit Innenprüfung kaufen, und diese Prüfung vor der Zahlung durchführen lassen.

Quellen
  1. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
  2. LBMA Good Delivery, London Bullion Market Association
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.