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Goldhandel · Prüfung & Echtheit

Wie prüft ein Händler Gold in zwei Minuten am Tresen?

Der Ablauf wirkt beiläufig, ist aber eine feste Reihenfolge. Sie folgt den Kosten: Jeder Schritt ist aufwendiger als der vorherige, und die meisten Stücke sind vorher entschieden.

Wie prüft ein Händler Gold in zwei Minuten am Tresen?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

In fünf Schritten: Sichtprüfung der Punzen, Magnettest, Wiegen, Vermessen und eine berührungslose Messung. Erst wenn danach ein Zweifel bleibt, kommt ein Verfahren zum Einsatz, das Spuren hinterlässt.

Schritt 1: sehen

Zuerst wird gelesen, was auf dem Stück steht. Feingehalt in Tausendteilen, Herstellerzeichen, Seriennummer, bei Münzen Jahrgang und Motiv. Dazu ein Blick durch die Lupe auf Kanten, Oberfläche und Lötstellen. Auffällig sind unscharfe Punzen, Farbunterschiede an Übergängen, Blasen und Poren. Bei Münzen kommt der Vergleich mit dem bekannten Bild hinzu: Schriftgröße, Abstände, Randriffelung. Dieser Schritt dauert 20 Sekunden und sortiert einen erheblichen Teil der plumpen Fälschungen aus, bevor irgendein Gerät angefasst wird.

Schritt 2: Magnet

Ein starker Magnet klärt zwei Dinge. Gold ist nicht magnetisch, ein Stück, das haftet, enthält Eisen oder Nickel im Kern. Feiner ist der zweite Test: Gleitet ein Magnet langsam über eine schräge Goldfläche, wird er durch Wirbelströme spürbar gebremst. Bleibt diese Bremswirkung aus, passt die Leitfähigkeit nicht. Der Magnet kostet wenige Euro und ist damit das günstigste Werkzeug im ganzen Ablauf, sein Ergebnis ist allerdings nur ein Hinweis, kein Nachweis.

Schritt 3 und 4: wiegen und messen

Auf die Waage mit 0,01 Gramm Auflösung folgt der Messschieber. Aus Gewicht und Maßen ergibt sich die Dichte, und die muss bei reinem Gold bei 19,32 Gramm je Kubikzentimeter liegen. Bei Schmuck wird stattdessen das Feingewicht ermittelt: Bruttogewicht mal Feingehalt. Ein Ring mit 10 Gramm und 585 Tausendsteln enthält 5,85 Gramm Feingold. Genau diese Zahl ist die Grundlage des Angebots, alles andere ist Beiwerk.

Schritt 5: berührungslos messen

Jetzt kommt das Gerät, meist eine Leitfähigkeitsmessung, in größeren Häusern eine Röntgenfluoreszenzanalyse. Beide erfassen die Oberfläche und liefern in Sekunden einen Feingehalt. Für Altgold und Schmuck reicht das, denn dort ist die Auflage der übliche Betrugsweg. Bei Barren über 500 Gramm folgt zusätzlich die Ultraschallmessung, weil nur sie ins Innere sieht.

Wann etwas Zerstörendes folgt

Bleibt danach ein Zweifel, wird eine Strichprobe mit Prüfsäure gemacht, bei der eine winzige Menge Material auf einen Prüfstein abgerieben wird. Bei größeren Posten kommt die Feuerprobe in Betracht, die als genauestes Verfahren gilt und das Stück verbraucht. Beides geschieht nur mit Zustimmung, und beides ist beim Ankauf von Altgold ohnehin unproblematisch, weil das Material eingeschmolzen wird.

Wer als Verkäufer diesen Ablauf kennt, erkennt einen sorgfältigen Händler an genau diesen 5 Schritten und an einem Beleg, auf dem Bruttogewicht, Feingehalt, Feingewicht, Tagespreis und Abschlag getrennt ausgewiesen sind. Wer sofort eine Endsumme nennt, ohne zu messen, spart sich die Arbeit an einer Stelle, an der sie hingehört. Für den Verkäufer lohnt es sich, die eigenen Zahlen vorher zu kennen. Wer Bruttogewicht und Feingehalt notiert hat, kann das Angebot am Tresen sofort nachrechnen und muss sich nicht auf eine Endsumme verlassen. Eine Küchenwaage genügt dafür nicht, eine Feinwaage für 30 Euro schon.

Auffällig ist immer, was fehlt. Kein Messschieber, keine Lupe, keine Zwischenschritte auf dem Beleg: Dann wurde nicht geprüft, sondern geschätzt. Ein Haus, das in 20 Sekunden einen Preis für einen unbekannten Posten nennt, hat entweder sehr viel Erfahrung oder sehr viel Spanne eingerechnet.

Quellen
  1. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
  2. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.