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Wie zuverlässig ist die Leitfähigkeitsmessung bei Gold?

Am Tresen ist das Verfahren beliebt, weil es in Sekunden ein Ergebnis liefert und nichts am Stück verändert. Seine Schwäche steckt in der Physik, nicht in der Bedienung.

Wie zuverlässig ist die Leitfähigkeitsmessung bei Gold?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Sie ist schnell und berührungslos, misst aber nur die äußerste Schicht. Eine dicke Vergoldung über Wolfram besteht den Test, weshalb er allein nie ausreicht.

Wie die Messung funktioniert

Eine Spule erzeugt ein Wechselfeld, das im Metall Wirbelströme induziert. Wie stark diese Ströme fließen, hängt von der elektrischen Leitfähigkeit des Materials ab, und die ist für jedes Metall charakteristisch. Gold leitet ausgezeichnet, Wolfram deutlich schlechter, Kupfer wiederum besser als Gold. Das Gerät vergleicht den gemessenen Wert mit hinterlegten Sollwerten und zeigt an, ob er passt. Für Legierungen gibt es eigene Kurven, weshalb sich 585 und 750 Tausendstel unterscheiden lassen, wenn das Gerät dafür kalibriert ist.

Warum nur die Oberfläche gemessen wird

Wirbelströme dringen nicht beliebig tief ein. Ihre Eindringtiefe hängt von Frequenz und Material ab und liegt bei den üblichen Prüffrequenzen im Bereich von Zehntelmillimetern. Alles, was tiefer liegt, sieht das Gerät nicht. Eine Fälschung mit 1 Millimeter echtem Gold über einem fremden Kern liefert deshalb ein sauberes Ergebnis. Genau darin liegt der Unterschied zum Ultraschall, der die gesamte Materialstärke durchläuft. Beide Verfahren heißen zerstörungsfrei und beantworten trotzdem verschiedene Fragen.

Wogegen der Test gut wirkt

Gegen die häufigste Sorte Fälschung ist er sehr wirksam: vergoldeter Schmuck, Messing mit dünnem Überzug, Tombak, versilberte Ware. Diese Stücke tragen meist nur wenige Mikrometer Auflage, und die reicht nicht, um das Feld abzuschirmen. Auch bei Ketten und Ringen mit falscher Punze deckt die Messung die Abweichung auf, ohne dass an einer Stelle gefeilt werden muss. Für den Ankauf von Altgold ist das der praktische Alltag, und dort ersetzt das Verfahren die Strichprobe in den meisten Fällen.

Was das Ergebnis stört

Vier Dinge verfälschen die Anzeige. Gekrümmte Flächen, weil der Abstand zur Spule variiert. Sehr kleine Stücke, weil das Feld über den Rand hinausreicht. Beschichtungen wie Rhodium auf Weißgold. Und Temperaturunterschiede, denn Leitfähigkeit ist temperaturabhängig. Ein Stück, das aus der kalten Jackentasche kommt, sollte deshalb erst 10 Minuten liegen. Wer diese Punkte kennt, ordnet auch ein knappes Ergebnis richtig ein, statt es für einen Beweis zu halten.

Wie ein sinnvoller Ablauf aussieht

In der Praxis steht die Leitfähigkeit an zweiter Stelle: erst Sicht und Punze, dann Magnet, dann Waage und Maß, dann Leitfähigkeit. Bleibt danach ein Zweifel, folgt bei kleinen Stücken die Strichprobe und bei großen die Ultraschallmessung. Diese Reihenfolge ist nicht akademisch, sie folgt den Kosten: Jeder Schritt ist teurer und langsamer als der davor.

Für den privaten Käufer heißt das: Ein Handgerät für 200 bis 600 Euro ist kein Freibrief. Es sortiert vergoldete Ware zuverlässig aus und sagt über einen 1-Kilogramm-Barren fast nichts. Wer nur ein Verfahren finanzieren will, kauft besser eine gute Waage und einen Messschieber, denn die Dichteprüfung deckt mehr ab. Wichtig ist außerdem die Kalibrierung. Geräte dieser Art werden mit Referenzproben abgeglichen, und ein Gerät, das seit 2 Jahren keinen Abgleich gesehen hat, liefert Zahlen mit unbekanntem Versatz. Wer die Messung bei einem Händler machen lässt, darf nach dem letzten Abgleich fragen, so wie man bei einer Waage nach der Eichung fragt.

Quellen
  1. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.