Wie erkennt man eine gefälschte Punze?
Eine Punze lässt sich in Minuten nachschlagen. Deshalb ist sie das erste, was Fälscher anbringen, und das letzte, worauf man sich verlassen sollte.
Bild: KI-erzeugtAn unscharfen Rändern, falscher Tiefe und einer Position, an der niemand stempelt. Sicherheit gibt aber nur die Messung, denn eine perfekte Punze sagt nichts über das Metall.
Wie eine echte Punze aussieht
Sie wird mit einem gehärteten Stahlstempel in das weiche Metall geschlagen, meist vor der Endpolitur. Die Ränder sind scharf, die Tiefe gleichmäßig, und rund um den Abdruck wölbt sich das verdrängte Metall leicht auf. Bei mehrteiligen Stempeln stehen die Zeichen exakt in einer Linie. Moderne Punzen werden teils gelasert, dann fehlt die Materialverdrängung, dafür sind die Kanten extrem gleichmäßig.
Die typischen Fehler bei Fälschungen
Nachträglich eingeschlagene Punzen sitzen oft zu flach, weil der Fälscher das fertige Stück nicht verformen will. Die Ränder wirken ausgefranst, weil ein weicher oder abgenutzter Stempel benutzt wurde. Bei gegossenen Kopien ist die Punze mit abgegossen und dadurch weich und verwaschen, ohne jede Materialverdrängung. Und die Position stimmt häufig nicht: Hersteller stempeln an festen Stellen, etwa innen an der Ringschiene gegenüber dem Kopf.
Der Zahlenabgleich
Prüfen Sie, ob die Kombination überhaupt existiert. In Deutschland üblich sind 333, 375, 585, 750, 900 und 999. Angaben wie 800 oder 835 gehören zu Silber, nicht zu Gold. Eine 916 weist auf 22 Karat hin und ist bei europäischem Schmuck selten, bei indischem oder arabischem dagegen üblich. Passt die Zahl nicht zur Herkunft des Stücks, ist das ein Anlass zur Messung, kein Beweis.
Warum die Punze selbst bei Echtheit wenig sagt
In Deutschland besteht keine Stempelpflicht, und die Punze ist eine Herstellererklärung, keine amtliche Prüfung. Sie kann echt eingeschlagen und trotzdem falsch sein, etwa bei importierter Ware mit anderen Toleranzen. Umgekehrt ist ein ungestempeltes Stück nicht verdächtig: Sehr alte Ringe und Einzelanfertigungen tragen oft gar keine.
Was tatsächlich Sicherheit gibt
Nur die Messung am Material. Röntgenfluoreszenz an mehreren Punkten, Strichprobe an einer angefeilten Stelle, bei Barren zusätzlich Ultraschall oder Dichte. Ein Ankäufer, der nur die Punze liest und danach den Preis nennt, arbeitet nicht sorgfältig, und Sie sollten fragen, wie gemessen wurde.
Ihre Rechte, wenn die Punze falsch war
Weicht der tatsächliche Feingehalt von der Punze ab, liegt ein Sachmangel vor. Beim Kauf von einem Händler haben Sie 2 Jahre lang Ansprüche auf Nacherfüllung, Minderung oder Rücktritt. Bei arglistigem Verschweigen verlängert sich die Frist auf 3 Jahre ab Kenntnis. Wichtig ist der Beleg: Lassen Sie den Befund schriftlich von einer Scheideanstalt bestätigen, bevor Sie den Händler anschreiben. Eine mündliche Zweitmeinung trägt in keinem Verfahren. Ein Blick auf die Verhältnisse zum Schluss: Ein Punzenstempel kostet im Fachhandel unter 20 Euro und ist frei verkäuflich, weil er für Goldschmiede ein normales Werkzeug ist. Genau deshalb ist die Punze das am leichtesten zu fälschende Merkmal überhaupt, und genau deshalb misst jeder ernsthafte Ankäufer nach. Wer sich beim Privatkauf allein auf die Zahl im Ring verlässt, verlässt sich auf ein Werkzeug für 20 Euro. Nehmen Sie deshalb bei jedem Privatkauf eine Lupe mit und rechnen Sie fest damit, dass Sie die Punze am Ende nicht als Beleg, sondern nur als Hinweis behandeln werden.
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
- § 434 BGB, Sachmangel (Gesetze im Internet)