Wie viel taugt ein Prüfgerät für Zuhause?
Die Frage ist weniger, ob ein Gerät funktioniert, sondern welche Fälschung es überhaupt finden soll. Danach richtet sich, ob sich der Kauf lohnt.
Bild: KI-erzeugtFür vergoldete Ware sehr viel, für hochwertige Fälschungen wenig. Waage, Messschieber und Magnet für zusammen unter 100 Euro leisten mehr als ein günstiges Handgerät, das nur die Oberfläche misst.
Was die günstige Ausrüstung wirklich leistet
Eine Feinwaage mit 0,01 Gramm Auflösung kostet 30 bis 80 Euro, ein Messschieber unter 20 Euro, ein starker Magnet wenige Euro, eine Lupe mit 10-facher Vergrößerung etwa 15 Euro. Zusammen liegt man unter 100 Euro und deckt damit die Dichteprüfung, den Magnettest und die Sichtprüfung ab. Diese Kombination erkennt Messing, Kupfer, Blei, Stahlkerne und vergoldete Ware zuverlässig. Sie erkennt Wolfram nicht, weil dessen Dichte nur 0,4 Prozent unter Gold liegt, und sie sagt bei Schmuck nichts über die Legierung unter der Oberfläche.
Wo Handgeräte helfen und wo nicht
Leitfähigkeitsprüfer für 200 bis 600 Euro messen berührungslos und in Sekunden. Ihre Eindringtiefe liegt im Bereich von Zehntelmillimetern, also erfassen sie die Auflage, nicht den Kern. Für Altgold, Ketten und Ringe ist das genau die richtige Frage, denn dort ist die dünne Vergoldung der übliche Betrug. Für einen Kilobarren ist es die falsche Frage. Wer sich ein solches Gerät zulegt, sollte wissen, dass es eine Klasse von Fälschungen sicher findet und eine andere systematisch übersieht.
Was professionelle Technik kostet
Ein Röntgenfluoreszenzgerät liegt im mittleren fünfstelligen Bereich, hinzu kommen Prüfpflichten für den Strahlenschutz und eine regelmäßige Kalibrierung. Ultraschallgeräte für die Edelmetallprüfung liegen im vierstelligen Bereich. Beides ist für den privaten Bestand wirtschaftlich sinnlos: Wer 50.000 Euro in Gold hält, kauft davon kein Gerät für 20.000 Euro, sondern nutzt die Technik eines Händlers, der sie ohnehin hat und für die Messung beim Ankauf meist nichts berechnet.
Der Säurekasten und seine Tücken
Prüfsäuren für 20 bis 40 Euro sind das älteste Hilfsmittel und arbeiten sicher, wenn man sie richtig anwendet. Sie hinterlassen eine kleine Spur, brauchen einen Prüfstein und funktionieren nur, wenn tatsächlich in die Tiefe gerieben wird. Genau das ist der häufigste Anwenderfehler: Wer nur über die Oberfläche streicht, testet die Vergoldung und bekommt ein falsches Ergebnis. Bei Anlageware verbietet sich das Verfahren ohnehin, weil die Spur den Wert mindert.
Die sinnvolle Aufteilung
Für den Hausgebrauch gilt eine klare Trennung. Kleine Stücke und Schmuck prüfen Sie selbst mit Waage, Maß, Magnet und Lupe. Große Barren lassen Sie vor der Zahlung bei einem Händler mit Ultraschall prüfen. Ware aus privater Hand ohne Beleg nehmen Sie grundsätzlich nur mit vorheriger Prüfung, unabhängig vom Preis. Wer diese drei Regeln einhält, braucht kein Gerät über 100 Euro.
Der beste Schutz kostet ohnehin nichts: Kaufen mit Rechnung, Seriennummer notieren, Blister geschlossen lassen und größere Beträge nicht bar an Unbekannte zahlen. Diese vier Punkte verhindern mehr Schaden als jede Messtechnik, weil sie den Fall gar nicht erst entstehen lassen, den ein Gerät später aufklären müsste. Wer regelmäßig Altgold kauft, etwa auf Flohmärkten, fährt mit einem gebrauchten Leitfähigkeitsprüfer und einer Feinwaage am besten. Für alle anderen gilt: Die 100 Euro für Waage, Maß, Magnet und Lupe sind gut angelegt, alles darüber ersetzt keinen Händler mit Ultraschall.