Wie genau muss die Masse eines Goldbarrens stimmen?
Die Masse ist die einfachste Prüfung überhaupt und zugleich die am häufigsten überschätzte. Sie schließt viele Fälschungen aus und eine bestimmte Sorte gerade nicht.
Bild: KI-erzeugtSehr genau. Ein 100-Gramm-Barren wiegt 100,0 Gramm, Abweichungen von mehr als 0,1 Gramm sind ein Warnzeichen. Gewicht allein beweist aber nichts, erst zusammen mit den Maßen wird daraus eine Aussage.
Welche Abweichung normal ist
Barren werden auf ihr Nenngewicht gefertigt, nicht darunter. Ein Stück mit der Prägung 100 g wiegt in der Regel zwischen 100,0 und 100,1 Gramm, denn der Hersteller gibt lieber ein Hundertstel mehr als weniger. Eine Küchenwaage taugt für diese Prüfung nicht, gebraucht wird eine Waage mit einer Auflösung von 0,01 Gramm. Solche Geräte kosten zwischen 30 und 80 Euro. Wer 99,4 Gramm misst, hat entweder eine falsche Waage oder ein falsches Stück, und beides lässt sich mit einem Prüfgewicht in 2 Minuten auseinanderhalten.
Warum Gewicht allein nicht reicht
Eine Fälschung wird nicht mit dem falschen Gewicht gebaut. Wer ein Stück nachmacht, trifft die Masse, das ist der einfachste Teil der Arbeit. Kupfer, Messing und Blei haben allerdings eine viel geringere Dichte als Gold, weshalb ein massegleicher Nachbau deutlich größer ausfallen muss. Genau darum ist die Kombination aus Masse und Abmessung so wirksam: Stimmt das Gewicht und ist der Barren dabei 1 Millimeter zu dick, ist das Material falsch. Ein Messschieber für unter 20 Euro ist deshalb das zweitwichtigste Werkzeug nach der Waage.
Die Dichte als eigentliche Prüfgröße
Aus Masse und Volumen ergibt sich die Dichte, und die liegt bei reinem Gold bei 19,32 Gramm je Kubikzentimeter. Für einen geprägten Barren lässt sich das Volumen aus Länge, Breite und Höhe berechnen, für unregelmäßige Stücke über die Wasserverdrängung. Weicht das Ergebnis um mehr als 2 Prozent ab, ist etwas anderes im Stück. Kupfer liegt bei 8,96, Messing bei rund 8,5, Blei bei 11,34 Gramm je Kubikzentimeter, alle drei also weit entfernt. Diese Prüfung entlarvt die überwiegende Mehrheit der Fälschungen ohne jedes Gerät über 100 Euro.
Die Ausnahme, die alles überlebt
Wolfram hat eine Dichte von 19,25 Gramm je Kubikzentimeter und liegt damit nur 0,4 Prozent unter Gold. Ein Barren mit Wolframkern und Goldmantel wiegt richtig, misst richtig und besteht die Dichteprüfung. Deshalb endet die Masseprüfung bei großen Stücken nicht mit einem Freispruch, sondern mit einem Zwischenstand. Wer ein Kilogramm kauft, sollte zusätzlich ein Verfahren nutzen, das ins Innere sieht, etwa eine Ultraschallmessung.
Was am Ankauftresen tatsächlich passiert
Ein Händler wiegt, misst und prüft die Punzen, bevor er ein Gerät ansetzt. Die drei Schritte dauern zusammen keine 2 Minuten und sortieren fast alles aus. Erst danach kommt bei größeren Posten die zerstörungsfreie Analyse. Wer selbst kauft, kann denselben Ablauf übernehmen, und zwar vor der Zahlung, nicht danach.
Als Regel für den Privatkauf gilt deshalb: Waage mit 0,01 Gramm, Messschieber, Taschenrechner. Diese drei Dinge kosten zusammen unter 100 Euro und entscheiden bei kleinen Stücken die Frage schneller, als ein Laborbericht sie beantworten könnte. Bei Stücken über 500 Gramm ist der Gang zum Händler mit Prüfgerät die günstigere Variante, denn dort dauert die zusätzliche Messung ein paar Minuten und kostet meist gar nichts.