Wie prüft man einen Goldbarren zerstörungsfrei?
Bei Barren versagt die Oberflächenprüfung, denn genau dort sitzt bei einer guten Fälschung echtes Gold. Die brauchbaren Verfahren messen durch das Material hindurch.
Bild: KI-erzeugtÜber Ultraschall und Dichte. Die Schallgeschwindigkeit liegt in Gold bei rund 3.240 Metern je Sekunde, in Wolfram bei rund 5.180. Damit fällt auch ein Fremdkern auf.
Ultraschall ist das Mittel der Wahl
Ein Prüfgerät sendet einen Schallimpuls in den Barren und misst die Laufzeit bis zur Rückwand. Daraus errechnet es die Schallgeschwindigkeit im Material. In Feingold liegt sie bei rund 3.240 Metern je Sekunde, in Wolfram bei rund 5.180, in Blei bei rund 2.160. Ein Fremdkern verändert die Laufzeit so deutlich, dass er nicht zu übersehen ist. Das Verfahren braucht eine glatte Auflagefläche und ein Koppelgel, beschädigt den Barren aber nicht und dauert Sekunden. Für Barren ab 100 Gramm ist es die sinnvollste Einzelprüfung.
Dichte über Wasserverdrängung
Gewicht durch Volumen ergibt die Dichte, und die muss bei Feingold 19,32 Gramm je Kubikzentimeter betragen. Das Volumen bestimmen Sie über die Verdrängung: Barren an einem dünnen Faden in ein Gefäß mit Wasser hängen, das auf einer Waage steht, und die Gewichtszunahme ablesen. Ein Gramm Zunahme entspricht einem Kubikzentimeter. Die Methode ist einfach, hat aber eine Schwäche: Wolfram liegt mit 19,25 nur 0,4 Prozent darunter, und diese Differenz verschwindet in der Messunsicherheit einer Haushaltswaage. Gegen Messing, Blei oder Kupfer wirkt sie dagegen zuverlässig.
Maße und Verpackung
Standardbarren haben festgelegte Abmessungen, und ein Fälscher muss bei abweichender Dichte entweder die Maße oder die Masse verfehlen. Prüfen Sie beides gegen die Angaben des Herstellers. Barren in verschweißter Assay-Karte mit aufgedruckter Seriennummer sind zusätzlich geschützt, solange die Schweißnaht unverletzt ist. Öffnen Sie diese Verpackung nicht: Ein ausgepackter Barren verliert an Verkäuflichkeit, weil der nächste Käufer die Prüfung neu machen lassen muss.
Leitfähigkeit und ihre Grenzen
Geräte, die über Wirbelströme die elektrische Leitfähigkeit messen, sind günstig und verbreitet. Sie erkennen viele Legierungen zuverlässig, dringen aber nur wenige Millimeter ein. Bei dünnen Stücken taugen sie, bei einem Kilobarren nicht. Wer ein solches Gerät als vollwertigen Echtheitstest angeboten bekommt, sollte nachfragen, welche Eindringtiefe der Hersteller angibt.
Was bei größeren Beträgen gilt
Ab einem gewissen Wert ist die Frage nicht mehr, welches Gerät Sie kaufen, sondern wo Sie prüfen lassen. Scheideanstalten und größere Händler bieten Ultraschall- und Röntgenfluoreszenzprüfung als Dienstleistung an, meist für 20 Euro bis 50 Euro je Stück, mit schriftlichem Ergebnis. Dieses Papier ist im Streitfall etwas wert, Ihr eigener Küchentest nicht. Und die einfachste Vorsorge bleibt der Kaufweg: Wer beim Händler mit Rechnung kauft, hat einen Vertragspartner, der für die Beschaffenheit einsteht. Wer privat und bar kauft, trägt das Risiko allein und sollte den Preisvorteil daran messen. Zum Schluss die Reihenfolge, die sich bewährt hat: erst Maße und Masse gegen die Angaben des Herstellers, das kostet 2 Minuten und erkennt die Mehrzahl der Fälschungen. Dann die Dichte über Wasserverdrängung, weitere 10 Minuten, damit fallen Messing und Blei durch. Und erst wenn beides passt und der Betrag es rechtfertigt, die Ultraschallprüfung beim Fachbetrieb. Wer in dieser Reihenfolge vorgeht, gibt selten Geld für eine Laborprüfung aus, die eine Küchenwaage schon hätte erledigen können.