Woran erkennt man eine gefälschte Goldkette an den Lötstellen?
Ketten sind die anspruchsvollste Ware im Ankauf, weil sie aus vielen kleinen Teilen bestehen. Jede Lötstelle ist eine mögliche Schwachstelle, und genau dort setzen Fälschungen an.
Bild: KI-erzeugtAn Farbe und Reaktion des Lots. Echte Ketten sind mit goldhaltigem Lot gefügt, Fälschungen oft mit unedlem. Unter der Lupe zeigen sich Farbunterschiede, und der Säuretest reagiert an der Lötstelle anders als am Glied.
Warum Lot überhaupt ein Thema ist
Jedes Glied einer Kette ist geschlossen, und jeder Verschluss ist gefügt. Verwendet wird Goldlot, also eine Legierung mit niedrigerem Schmelzpunkt und meist geringerem Feingehalt als das Glied selbst. Bei feingliedrigen Ketten summiert sich das: Der Lotanteil kann mehrere Prozent der Gesamtmasse ausmachen, in Einzelfällen bis zu 10 Prozent. Seriöse Ankäufer berücksichtigen das mit einem kleinen Abschlag, weil das Feingewicht sonst zu hoch angesetzt wäre. Ein Händler, der bei einer Kette denselben Satz zahlt wie bei einem Barren, rechnet entweder großzügig oder ungenau.
Was unter der Lupe sichtbar wird
Bei 10-facher Vergrößerung zeigt sich echtes Goldlot als schmaler Streifen mit leicht anderem Farbton, meist etwas heller oder rötlicher. Unedles Lot fällt deutlicher auf: grau, silbrig oder mit sichtbarem Rand, oft mit kleinen Perlen an den Übergängen. Verdächtig sind außerdem Lötstellen, die viel dicker sind als das Glied, denn sie deuten auf nachträgliche Reparaturen mit fremdem Material hin. Ein Blick über die gesamte Länge lohnt sich, weil Fälschungen selten alle Glieder gleich behandeln.
Der Säuretest an der richtigen Stelle
Die Strichprobe wird üblicherweise an einem Glied gemacht. Wer eine Kette prüfen will, sollte zusätzlich an einer Lötstelle und am Verschluss abreiben. Reagiert das Material dort anders, stimmt der Aufbau nicht. Genau dieser Doppeltest deckt den häufigsten Trick auf: eine echte Kette mit einem Verschluss aus geringerem Feingehalt, oder umgekehrt ein echtes Endstück mit gestempelter Punze an einer Kette aus Doublé. Die Punze sitzt fast immer am Verschluss, und sie sagt zunächst nur etwas über den Verschluss aus.
Weitere Hinweise am Verschluss
Der Verschluss trägt bei vielen Ketten die einzige Punze. Ist er austauschbar, ist auch die Punze austauschbar, und Federringe lassen sich in Sekunden wechseln. Ein Verschluss mit 333 Tausendsteln an einer Kette, die 585 sein soll, ist deshalb ein Prüfgrund, kein Beweis: Beides kommt bei echten Stücken vor, wenn ein Verschluss ersetzt wurde. Zu prüfen ist dann die Kette selbst, nicht das Teil mit dem Stempel.
Was die berührungslose Messung leistet
Eine Leitfähigkeitsmessung an einer Kette ist schwierig, weil die Fläche klein und gekrümmt ist und die Glieder Luft zwischen sich haben. Verlässlicher ist die Röntgenfluoreszenzanalyse an einer flachen Stelle, etwa am Verschlussblech. Auch sie erfasst nur die Oberfläche, was bei Doublé genügt, weil die Auflage meist wenige Mikrometer misst. Bei Ketten über 30 Gramm lohnt im Zweifel die Feuerprobe eines abgetrennten Stücks, denn nur sie bewertet das Gesamtmaterial.
Für den Verkauf ist die praktische Konsequenz einfach: Lassen Sie die Kette an mehreren Stellen prüfen, nicht nur am Verschluss, und lassen Sie sich den Abschlag für Lot auf dem Beleg ausweisen. Beides ist üblich, und beides macht den Preis nachrechenbar.