Woran erkennt man aufgefüllten Hohlschmuck?
Hohlschmuck ist nicht per se Betrug. Er wird seit Jahrzehnten hergestellt, um große Formen tragbar zu machen. Zum Problem wird er, wenn der Hohlraum gefüllt ist.
Bild: KI-erzeugtAm Gewicht im Verhältnis zur Größe, an einer Lötnaht ohne erkennbaren Zweck und daran, dass die Dichtebestimmung deutlich unter dem Wert der Legierung bleibt.
Warum es Hohlschmuck gibt
Ein massiver Reif von 15 Millimetern Breite wäre schwer und teuer. Also wird er aus dünnem Blech geformt und verlötet, mit einem Hohlraum im Inneren. Das ist üblich, legal und wird bei seriösen Anbietern auch so bezeichnet. Der Feingehalt der Wandung stimmt, nur das Gewicht ist eben gering im Verhältnis zur Größe.
Wo die Grenze zur Täuschung verläuft
Problematisch wird es, wenn der Hohlraum mit einem unedlen Material gefüllt wird, um Gewicht vorzutäuschen. Verwendet werden Kitt, Blei, Zinn, Wachs oder Gips. Eine Röntgenfluoreszenz erkennt das nicht, weil sie nur die Oberfläche misst, und die besteht aus echtem Gold. Beim Ankauf nach Gewicht zahlt der Händler dann für Blei den Goldpreis, und genau darauf zielt die Täuschung.
Die Dichte entlarvt es
Wiegen und Volumen über Wasserverdrängung bestimmen, dann teilen. Eine 585er Legierung muss auf rund 13,1 Gramm je Kubikzentimeter kommen, eine 750er auf rund 15,5. Ein mit Blei gefüllter Reif landet deutlich darunter, weil Blei nur 11,34 erreicht und der Hohlraum zusätzlich Volumen ohne Gold beisteuert. Ein echter, ungefüllter Hohlreif liegt dagegen bei der Dichte der Legierung, weil Luft praktisch kein Gewicht hat, aber auch kaum Volumen verdrängt, solange er dicht ist.
Die verräterischen Merkmale von außen
Eine Lötnaht, die keinen erkennbaren konstruktiven Zweck hat. Ein Bohrloch, oft an der Unterseite, durch das gefüllt wurde und das anschließend verschlossen ist. Ein Klang, der dumpf statt hell ist. Und ein Stück, das sich beim Anheben schwerer anfühlt, als seine Wandung vermuten lässt. Jedes einzelne Merkmal ist ein Anlass zur Messung.
Was der Ankauf daraus macht
Seriöse Ankäufer behandeln Hohlschmuck gesondert und wiegen ihn nicht einfach mit. Bei Verdacht wird angebohrt oder aufgesägt, natürlich nach Rücksprache, denn danach ist das Stück nur noch Bruchgold. Wer ein wertvolles Schmuckstück nicht zerstören lassen will, kann es zur Röntgendurchleuchtung geben, die Füllungen sichtbar macht, ohne zu beschädigen.
Der praktische Rat
Prüfen Sie geerbten Schmuck vor dem Verkauf auf diese Merkmale und weisen Sie den Ankäufer aktiv auf Hohlteile hin. Das klingt gegen das eigene Interesse, ist es aber nicht: Ein Händler, der eine Füllung selbst entdeckt, misstraut dem gesamten Posten und kalkuliert vorsichtiger. Bei einem Armreif von 40 Gramm brutto, von denen 15 Gramm Füllung sind, geht es um rund 680 Euro Unterschied, und diese Frage wird ohnehin geklärt, bevor Geld fließt. Zur Häufigkeit: Betroffen sind fast immer große, auffällige Formen, also breite Reifen, voluminöse Kugelketten und massiv wirkende Anhänger, oft aus Importware. Ringe und schmale Ketten sind praktisch nie gefüllt, weil sich der Aufwand dort nicht lohnt. Wer einen Nachlass sortiert, kann sich die Prüfung deshalb auf wenige Stücke konzentrieren und den Rest normal behandeln. Nehmen Sie dafür die drei größten Stücke des Bestands und wiegen Sie sie einzeln, das genügt in aller Regel als Vorprüfung.
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)