Worin unterscheiden sich Zollfreilager und Bankschließfach?
Beide Wege heißen im Gespräch oft schlicht Lagerung, funktionieren aber grundverschieden. Der eine ist ein Mietvertrag, der andere ein Zollverfahren.
Bild: KI-erzeugtDas Schließfach ist gemietete Fläche, deren Inhalt die Bank nicht kennt. Das Zolllager ist ein Verfahren, in dem Einfuhrabgaben ruhen. Für Anlagegold bringt das steuerlich nichts, für Silber und Platin viel.
Was ein Schließfach ist
Sie mieten ein Fach und legen hinein, was Sie wollen. Die Bank kennt den Inhalt nicht und führt darüber kein Verzeichnis. Das ist der große Vorteil und zugleich der Haken: Weil niemand weiß, was drin liegt, ersetzt im Schadensfall auch niemand automatisch den Wert. Übliche Fächer kosten je nach Größe und Haus etwa 40 bis 150 Euro im Jahr. Der Versicherungsschutz aus dem Mietvertrag ist meist auf eine pauschale Summe begrenzt, oft im Bereich weniger Tausend Euro, und deckt Edelmetall nicht in voller Höhe ab. Wer mehr will, braucht eine eigene Wertsachenversicherung, und die verlangt ein Verzeichnis.
Was ein Zolllager ist
Das Zolllagerverfahren ist kein Ort, sondern ein Status. Ware aus einem Drittland liegt darin, ohne in den freien Verkehr überführt zu sein, und die Einfuhrabgaben ruhen so lange. Erst wenn das Metall das Lager Richtung Inland verlässt, werden sie fällig. Betreiber sind zugelassene Lagerhalter, die den Bestand gegenüber dem Zoll führen. Genau daraus entsteht der zweite Unterschied zum Schließfach: Im Zolllager ist jedes Stück gebucht, mit Menge, Feingehalt und oft mit Nummer.
Warum das bei Gold wenig bringt
Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit. Bei einem Barren mit 999,9 Tausendsteln fällt also ohnehin keine Einfuhrumsatzsteuer an, die ruhen könnte. Der steuerliche Zweck des Verfahrens läuft bei Gold leer. Anders bei Silber, Platin und Palladium: Dort werden beim Import 19 Prozent fällig, in bestimmten Fällen greift ein ermäßigter Satz von 7 Prozent. Wer solche Metalle im Lager belässt, schiebt diese Zahlung auf, solange die Ware dort liegt, und spart sie ganz, wenn er sie später aus dem Lager heraus ins Ausland verkauft.
Was beide kosten
Beim Schließfach zahlen Sie für Fläche, unabhängig vom Wert. 40 bis 150 Euro im Jahr sind üblich, und ob 5.000 Euro oder 200.000 Euro darin liegen, ändert daran nichts. Beim professionellen Lager zahlen Sie für Wert, häufig zwischen 0,3 und 1 Prozent im Jahr, inklusive Versicherung. Bei 100.000 Euro Bestand sind das grob 300 bis 1.000 Euro jährlich. Ab welcher Summe sich was lohnt, ist damit eine reine Rechenaufgabe, in die der Versicherungsschutz gehört, nicht nur die Miete.
Zugang und Verfügbarkeit
Das Fach steht Ihnen zu den Öffnungszeiten Ihrer Filiale offen, und Sie kommen mit dem Metall in der Tasche wieder heraus. Beim Lager ist der Zugang geregelt, oft nur nach Anmeldung und mitunter im Ausland, dafür lässt sich der Bestand aus der Ferne verkaufen, ohne dass jemand ein Paket versenden muss. Wer sein Gold notfalls in wenigen Stunden in der Hand halten will, wählt das Fach. Wer einen größeren Bestand ordentlich versichert und buchhalterisch sauber halten will, wählt das Lager.
Die Entscheidung fällt deshalb nicht zwischen sicher und unsicher, sondern zwischen zwei verschiedenen Zwecken. Für einen 100-Gramm-Barren ist das Fach die günstigere und schnellere Lösung. Für einen sechsstelligen Bestand mit Silberanteil ist das Lager die einzige Variante, in der Versicherung und Steuer zusammenpassen.