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Warum ist Feingold weicher als Münzgold?

Wer eine Anlagemünze und einen Feingoldbarren nebeneinander legt, sieht denselben Wert und spürt zwei verschiedene Materialien. Der Grund steckt in der Legierung, nicht im Gehalt an Feingold.

Warum ist Feingold weicher als Münzgold?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Weil reines Gold ein weiches Metall ist. Anlagemünzen mit 916,7 Tausendsteln sind mit Kupfer legiert und deutlich kratzfester, enthalten aber genauso viel Feingold wie ein Stück aus 999,9.

Wie weich reines Gold wirklich ist

Gold liegt auf der Mohsschen Härteskala bei etwa 2,5 und damit im Bereich von Fingernagel und Kupfermünze. Ein Barren aus 999,9 Tausendsteln nimmt deshalb schon bei sorglosem Umgang Druckstellen an, und eine Kante hinterlässt sichtbare Spuren. Genau deshalb liegen kleine Barren in einer eingeschweißten Karte. Die Verpackung schützt nicht vor Diebstahl, sondern vor der eigenen Hand. Wer einen Feingoldbarren mehrfach anfasst, sieht das nach kurzer Zeit an matten Stellen, ohne dass ein Gramm verloren ginge.

Warum Münzen legiert werden

Umlaufmünzen und viele Anlagemünzen sollen in Beuteln und Kassetten transportiert werden, ohne sich gegenseitig zu beschädigen. Deshalb enthalten sie Kupfer, seltener Silber. Ein bekanntes Beispiel trägt 916,7 Tausendstel Gold, also 22 Karat, und den Rest Kupfer. Die Legierung ist deutlich härter als reines Gold und gibt der Münze zugleich einen wärmeren, rötlichen Ton. Andere Anlagemünzen gehen den umgekehrten Weg und werden mit 999,9 Tausendsteln geprägt, sind dafür aber empfindlicher und tragen häufiger feine Kratzer.

Wieso trotzdem gleich viel Gold drin ist

Der Unterschied betrifft die Masse, nicht den Feingehalt in Gramm. Eine Anlagemünze mit 916,7 Tausendsteln, die 1 Feinunze Gold enthalten soll, wiegt rund 33,93 Gramm. Eine Münze mit 999,9 Tausendsteln und derselben Goldmenge wiegt 31,10 Gramm. Beide enthalten dieselben 31,1 Gramm Feingold und kosten deshalb im Materialwert dasselbe. Wer nach Bruttogewicht vergleicht, hält die schwerere Münze für die wertvollere und irrt sich um genau den Kupferanteil.

Was das für Lagerung und Handhabung heißt

Aus der Härte folgen unterschiedliche Regeln. Feingoldbarren bleiben im Blister, Münzen aus 999,9 gehören in Kapseln, legierte Münzen vertragen den Beutel. Baumwollhandschuhe helfen bei allen Formen, weil Hautfett auf der Oberfläche mit der Zeit sichtbar wird. Reinigen sollte man nichts: Poliermittel tragen Material ab, und eine polierte Anlagemünze verliert im Ankauf mehr, als die Optik je einbringt. Ein paar Kratzer kosten beim Verkauf nach Feingewicht dagegen nichts.

Wo Härte doch den Preis berührt

Beim Sammlerstück zählt der Erhaltungsgrad, dort schlagen Kratzer voll durch. Beim Anlagestück zählt das Metall, dort nicht. Die Frage nach der Härte ist damit vor allem eine Frage danach, was Sie gekauft haben. Wer Anlageware in Sammlerqualität kaufen will, zahlt einen Aufschlag, der mit dem Goldpreis nichts zu tun hat und beim Verkauf oft verschwindet.

Für die Praxis bleibt eine einfache Regel: Vergleichen Sie immer das Feingewicht, nie das Bruttogewicht, und behandeln Sie Feingold vorsichtiger als legierte Münzen. Der Härteunterschied ist echt und spürbar, kostet aber keinen Cent, solange Sie nach Feingewicht kaufen und verkaufen. Wer Anlagemünzen und Barren nebeneinander lagert, sollte sie trennen. Zwei Stücke aus 999,9 Tausendsteln, die im selben Fach aneinander reiben, tragen nach einigen Jahren sichtbare Spuren, ohne dass ein Milligramm fehlt. Legierte Münzen mit 916,7 Tausendsteln vertragen das deutlich besser, und genau dafür wurde die Legierung ursprünglich gewählt.

Quellen
  1. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
  2. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.