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Was ist der Unterschied zwischen Bruttogewicht und Feingewicht?

Die beiden Zahlen stehen selten nebeneinander, und genau daraus entstehen die meisten Missverständnisse am Ankauftresen. Eine einzige Multiplikation klärt sie.

Was ist der Unterschied zwischen Bruttogewicht und Feingewicht?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Das Bruttogewicht ist die gesamte Masse des Stücks, das Feingewicht nur der reine Goldanteil daraus. Bezahlt wird immer das Feingewicht, also Bruttogewicht mal Feingehalt.

Die Rechnung dahinter

Feingewicht ist Bruttogewicht mal Feingehalt. Der Feingehalt wird in Tausendsteln angegeben: 585 bedeutet, dass 585 von 1.000 Gewichtsteilen Gold sind. Ein Ring von 10 Gramm mit 585 Tausendsteln enthält also 5,85 Gramm Feingold. Bei 750 Tausendsteln wären es 7,50 Gramm, bei 333 Tausendsteln nur 3,33 Gramm. Der Rest ist Kupfer, Silber, Palladium oder Nickel und wird beim Ankauf üblicherweise nicht vergütet, weil er im Vergleich zum Gold fast nichts wert ist und beim Scheiden ohnehin abgetrennt wird.

Warum die Anzeige auf der Waage täuscht

Auf der Waage steht das Bruttogewicht, und es ist die größere Zahl. Wer den Tagespreis für 1 Gramm Feingold kennt und ihn mit dem angezeigten Gewicht multipliziert, kommt auf einen Betrag, den kein Händler zahlen wird. Bei 585 Tausendsteln liegt die eigene Erwartung damit fast doppelt so hoch wie der richtige Wert. Seriöse Häuser rechnen deshalb offen vor: Bruttogewicht, Feingehalt, Feingewicht, Tagespreis, Abschlag. Wer nur eine Endsumme nennt und die Zwischenschritte auslässt, macht die Prüfung unnötig schwer.

Was bei gemischten Posten passiert

Ein Beutel Altgold enthält meist mehrere Feingehalte nebeneinander. Dann wird sortiert und jede Gruppe einzeln gewogen, denn ein gemeinsamer Mittelwert benachteiligt immer eine Seite. Steine, Perlen, Uhrwerke und Stahlfedern gehören vor dem Wiegen heraus, weil sie das Bruttogewicht erhöhen, ohne Gold zu enthalten. Bei Ringen mit gefassten Steinen wird der Stein entweder ausgefasst oder pauschal abgezogen. Ein Abzug von 0,2 bis 0,5 Gramm für eine kleine Fassung ist üblich und sollte auf dem Beleg stehen.

Wo Anlageware anders ist

Bei Barren fallen beide Zahlen praktisch zusammen: Ein 100-Gramm-Barren mit 999,9 Tausendsteln enthält 99,99 Gramm Feingold. Bei Anlagemünzen klaffen sie wieder auseinander, weil viele legiert sind. Eine Münze mit 916,7 Tausendsteln und 33,93 Gramm Bruttogewicht enthält 31,10 Gramm Feingold. Wer solche Münzen mit Barren vergleicht, muss deshalb zwingend auf das Feingewicht umrechnen, sonst vergleicht er Kupfer mit Gold.

Was auf dem Beleg stehen sollte

Ein prüfbarer Ankaufbeleg nennt je Position das Bruttogewicht in Gramm, den Feingehalt in Tausendsteln, das daraus errechnete Feingewicht, den zugrunde gelegten Goldpreis und den Abschlag in Prozent. Fehlt eine dieser fünf Angaben, lässt sich der Preis nicht nachrechnen. Das ist kein juristisches Problem, sondern ein praktisches: Ohne diese Zahlen können Sie zwei Angebote nicht vergleichen, weil Sie nicht wissen, worauf sich der genannte Betrag bezieht.

Wer die Unterscheidung einmal verinnerlicht hat, erkennt überteuerte Angebote in Sekunden. Ein Preis, der sich auf das Bruttogewicht bezieht, ist bei Schmuck immer zu hoch angesetzt, und ein Ankaufsangebot ohne Angabe des Feingehalts ist keine Grundlage für eine Entscheidung. Ein einfacher Test für jedes Angebot: Teilen Sie den gebotenen Betrag durch das Feingewicht in Gramm und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Tagespreis. Liegt es bei 80 bis 90 Prozent, ist das Angebot marktüblich. Liegt es bei 50 Prozent, ist entweder der Feingehalt falsch angesetzt oder die Spanne zu groß.

Quellen
  1. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
  2. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.