Was unterscheidet einen Gold-ETC von einem Goldfonds?
Beide Wege führen über das Depot statt über den Tresor, und sie unterscheiden sich in genau dem Punkt, auf den es im Ernstfall ankommt.
Bild: KI-erzeugtEin ETC ist eine besicherte Schuldverschreibung eines einzelnen Emittenten. Ein Fonds ist Sondervermögen und damit insolvenzgeschützt, darf aber kaum Gold direkt halten.
Der ETC ist eine Schuldverschreibung
Ein Exchange Traded Commodity ist rechtlich eine Anleihe des Emittenten, kein Fondsanteil. Sie halten eine Forderung, keinen Anteil an einem geschützten Vermögen. Seriöse ETC hinterlegen physisches Gold als Sicherheit, teils mit Lieferanspruch. Wird der Emittent zahlungsunfähig, hängt alles daran, ob und wie diese Besicherung rechtlich ausgestaltet ist. Das steht in den Emissionsbedingungen und nicht im Werbeblatt.
Der Fonds ist Sondervermögen
Ein Investmentfonds bildet Sondervermögen, das bei einer Insolvenz der Verwaltungsgesellschaft nicht in die Masse fällt. Das ist der entscheidende Schutz. Dafür unterliegt er Diversifikationsvorschriften, die es einem Publikumsfonds praktisch verbieten, sein Vermögen vollständig in ein einziges Gut zu legen. Reine Goldfonds im engeren Sinn gibt es deshalb in der Europäischen Union kaum, verbreitet sind stattdessen Fonds auf Minenaktien.
Minenaktien sind kein Gold
Ein Fonds auf Goldminen bildet nicht den Goldpreis ab, sondern die Ertragslage von Unternehmen. Diese hängt zwar am Goldpreis, zusätzlich aber an Förderkosten, Länderrisiken, Managemententscheidungen und Wechselkursen. In der Praxis schwanken Minenaktien deutlich stärker als das Metall, in beide Richtungen. Wer Gold will, bekommt hier etwas anderes.
Die steuerliche Seite
Bei physischem Gold im Privatvermögen gilt die Frist von 1 Jahr, danach ist der Gewinn steuerfrei. Bei Fondsanteilen und bei den meisten Zertifikaten greift die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, unabhängig von der Haltedauer. Für einige physisch besicherte ETC mit Lieferanspruch hat die Rechtsprechung die Behandlung wie physisches Gold bejaht, entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung. Verlassen Sie sich dabei nicht auf Foren, sondern auf die Bedingungen des Produkts.
Kosten im Vergleich
ETC verlangen laufende Gebühren von meist 0,2 bis 0,4 Prozent im Jahr, dazu Depotkosten und Handelsspannen an der Börse von häufig unter 0,5 Prozent. Physisches Gold kostet einmalig 4 bis 8 Prozent Spanne und danach die Verwahrung, etwa 90 Euro Fachmiete im Jahr. Über kurze Zeiträume ist das Wertpapier günstiger, über 10 Jahre und mehr kehrt sich das um.
Was Sie für sich entscheiden müssen
Die Frage lautet nicht, was billiger ist, sondern was Sie besitzen wollen. Wer Gold als Absicherung gegen Systemrisiken hält, kauft es physisch, denn ein Anspruch gegen einen Emittenten ist genau das, wogegen die Absicherung gedacht war. Wer den Goldpreis handeln will, ohne Metall zu bewegen, ist mit einem ETC richtig und sollte dessen Bedingungen einmal vollständig lesen. Zur Einordnung der Größenordnungen: Bei 20.000 Euro Anlage kostet ein ETC mit 0,35 Prozent laufender Gebühr rund 70 Euro im Jahr, über 10 Jahre also grob 700 Euro plus Depotgebühren. Physisches Gold kostet einmalig rund 1.200 Euro Spanne bei 6 Prozent und danach 90 Euro Fachmiete, über 10 Jahre also rund 2.100 Euro. Der Unterschied ist kleiner, als die Werbung beider Lager nahelegt, und die Entscheidung fällt deshalb an der Eigentumsfrage. Lesen Sie dafür einmal den Abschnitt zur Besicherung in den Emissionsbedingungen, das sind zwei Seiten und die einzigen, auf die es ankommt.
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
- § 25c UStG, Besteuerung von Anlagegold (Gesetze im Internet)