Was ist der Unterschied zwischen Feingold und einer Goldlegierung?
Der Unterschied ist keine Frage der Qualität, sondern des Zwecks. Feingold ist weich und wird angelegt, Legierungen sind hart und werden getragen.
Bild: KI-erzeugtFeingold ist nahezu reines Gold mit einem Feingehalt von 999 oder 999,9 Tausendsteln. Eine Legierung mischt Gold mit anderen Metallen, meist Silber, Kupfer oder Palladium.
Was der Feingehalt aussagt
Der Feingehalt gibt an, wie viele Tausendstel der Masse aus reinem Gold bestehen. 999 bedeutet 999 Teile Gold auf 1.000 Teile Metall, 750 bedeutet 750 Teile Gold und 250 Teile andere Metalle. Anlagebarren und Anlagemünzen tragen meist 999,9, im Handel Four Nines genannt. Bei Schmuck sind in Deutschland 333, 375, 585, 750 und 900 üblich, wobei 585 und 750 den Markt beherrschen. Reines Gold ist mit einer Härte von etwa 2,5 auf der Mohsschen Skala so weich, dass ein Ring daraus im Alltag binnen Wochen verformt wäre. Deshalb wird für Schmuck legiert, nicht aus Sparsamkeit, sondern aus Notwendigkeit.
Was die Beimischung bewirkt
Die zugesetzten Metalle bestimmen Farbe und Eigenschaften. Kupfer macht das Gold rötlich und härter, Silber heller, Palladium oder Nickel weiß. Ein 750er Gelbgold enthält typischerweise neben 750 Teilen Gold etwa 125 Teile Silber und 125 Teile Kupfer, ein 750er Weißgold stattdessen Palladium. Die Beimischung verändert auch den Schmelzpunkt: Reines Gold schmilzt bei 1.064 Grad Celsius, Legierungen je nach Zusammensetzung deutlich darunter. Für den Goldschmied ist das der entscheidende Wert, weil er beim Löten mit einem Lot arbeiten muss, das niedriger schmilzt als das Werkstück.
Was das für den Preis bedeutet
Bezahlt wird immer das enthaltene Feingold, nicht das Bruttogewicht. Ein 750er Ring von 10 Gramm enthält 7,5 Gramm Feingold, ein 585er Ring gleichen Gewichts nur 5,85 Gramm. Beim Ankauf ist der Unterschied also fast ein Drittel, obwohl beide Ringe gleich schwer sind und gleich aussehen können. Die Beimetalle werden im Regelfall nicht vergütet: Silber und Kupfer in diesen Mengen decken kaum die Kosten der Trennung. Wer mit einem Ankaufangebot vergleicht, sollte deshalb immer nach dem Preis je Gramm Feingold fragen, nicht je Gramm Ware.
Wo die Grenze rechtlich verläuft
Steuerlich ist die Trennlinie schärfer als optisch. Als Anlagegold gilt nur Gold in Barren oder Plättchen mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendsteln sowie Goldmünzen, die bestimmte Bedingungen erfüllen. Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit. Ein 750er Schmuckstück ist kein Anlagegold, sein Verkauf durch einen Händler unterliegt der Umsatzsteuer oder der Differenzbesteuerung. Wer Gold als Wertspeicher kauft, sollte den Unterschied kennen, denn er kostet beim Schmuckkauf sofort 19 Prozent Aufschlag, die beim Wiederverkauf nicht zurückkommen.
Was beim Einschmelzen zurückbleibt
Wird Legierung eingeschmolzen, trennt die Scheideanstalt die Metalle wieder. Beim Elektrolyseverfahren nach Wohlwill entsteht Feingold mit 999,9 Tausendsteln, das Silber fällt als Anodenschlamm an und wird gesondert verwertet. Kupfer und Zink gehen in den Metallhandel. Wirtschaftlich lohnt sich die Rückgewinnung der Beimetalle erst ab größeren Mengen, weshalb kleine Posten pauschal nur nach Feingoldgehalt vergütet werden. Für Sie heißt das: Der Silber- und Kupferanteil Ihres Schmucks fließt in die Kalkulation des Ankäufers ein, aber nicht in Ihren Auszahlungsbetrag. Bei Weißgold mit Palladium liegt der Fall anders, weil Palladium zeitweise teurer war als Gold. Wer einen größeren Posten Weißgold verkauft, sollte danach ausdrücklich fragen, statt eine Pauschalbewertung als Altgold hinzunehmen.
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
- LBMA Good Delivery, London Bullion Market Association