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Wie berechnet sich der Ankaufspreis für Altgold?

Die Rechnung hat drei Schritte und keine Geheimnisse. Wer sie einmal nachvollzieht, erkennt jedes unseriöse Angebot in einer Minute.

Wie berechnet sich der Ankaufspreis für Altgold?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Bruttogewicht mal Feingehalt ergibt das Feingewicht, dieses mal Tageskurs den Materialwert. Davon zahlt der Ankäufer einen Prozentsatz aus, üblich sind 88 bis 96 Prozent.

Schritt eins: das Feingewicht

Gewogen wird zunächst brutto, also alles, was auf der Waage liegt. Davon gehen Steine, Stahlfedern, Verschlüsse aus unedlem Metall und Uhrwerke ab. Das verbleibende Edelmetallgewicht wird mit dem Feingehalt multipliziert. Ein 585er Ring von 8 Gramm enthält 8 mal 0,585, also 4,68 Gramm Feingold. Bei einem gemischten Posten geschieht das für jede Feingehaltsstufe getrennt, weil sich 333, 585 und 750 nicht mitteln lassen, ohne dass jemand verliert. Genau deshalb sortiert der Ankäufer vor dem Wiegen, und genau deshalb sollten auf dem Beleg mehrere Zeilen stehen und nicht eine.

Schritt zwei: der Tageskurs

Der Weltmarktpreis notiert in Dollar je Feinunze. Daraus wird der Preis je Gramm Feingold in Euro: Notierung geteilt durch den Wechselkurs, geteilt durch 31,1035. Bei 2.600 Dollar und einem Kurs von 1,08 sind das rund 77,40 Euro je Gramm. Die 4,68 Gramm aus dem Beispiel entsprechen also einem Materialwert von rund 362 Euro. Wichtig ist der Zeitpunkt der Fixierung: Ein Angebot, das morgens gilt und nachmittags abgerechnet wird, kann bei einer Tagesbewegung von 2 Prozent bereits 7 Euro auseinanderliegen.

Schritt drei: der Auszahlungssatz

Vom Materialwert zahlt der Ankäufer einen Anteil aus. Er deckt Prüfung, Scheidung, Transport, Versicherung, Kapitalbindung und die eigene Marge. Seriöse Häuser liegen bei Altgold zwischen 88 und 96 Prozent, abhängig von Menge und Sortenreinheit. Ein reiner Posten 750er Bruchgold von 500 Gramm erreicht das obere Ende, ein Schuhkarton gemischter Modeschmuck mit wenigen echten Stücken das untere. Unter 85 Prozent sollte man nachfragen, unter 80 Prozent weitergehen.

Was die Rechnung verzerrt

Zwei Punkte tauchen regelmäßig auf. Erstens Pauschalpreise je Gramm Ware ohne Angabe des Feingehalts: Sie verlagern die entscheidende Größe auf eine Seite, die Sie nicht prüfen können. Zweitens Abzüge für Steine, die pauschal geschätzt statt gewogen werden. Bei einem Ring mit großem Stein kann der Abzug ein Drittel des Bruttogewichts ausmachen, und diese Schätzung gehört auf den Beleg.

Die Gegenrechnung in zehn Sekunden

Teilen Sie den gebotenen Betrag durch das Feingewicht. Ergibt das einen Preis je Gramm Feingold, der weit unter dem Tageskurs liegt, kennen Sie den Auszahlungssatz. 68 Euro je Gramm bei einem Kurs von 77,40 sind 88 Prozent, also vertretbar. 58 Euro sind 75 Prozent, also nicht. Diese eine Division ersetzt jeden Vergleich von Werbeversprechen.

Was Sie mitbringen sollten

Eine eigene Aufstellung mit Stückzahl und geschätztem Gewicht, den Ausweis, und bei einem Nachlass den Erbschein. Notieren Sie vor dem Gespräch den aktuellen Goldpreis je Gramm. Mit diesen drei Dingen führen Sie das Gespräch, statt es zu erleben, und bei einem Posten von 200 Gramm entscheidet das über mehrere hundert Euro. Und behalten Sie den Beleg: Er ist der einzige Nachweis über Feingewicht und Kurs, falls später eine Steuerfrage auftaucht oder ein Miterbe die Abrechnung sehen will. Bei Miterben gehört eine Kopie an jeden von ihnen.

Quellen
  1. LBMA Good Delivery, London Bullion Market Association
  2. Deutsche Bundesbank, Statistiken
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.