Wie wirkt sich der Dollarkurs auf den Goldpreis in Euro aus?
Wer den Goldpreis in Euro verfolgt, beobachtet zwei Märkte gleichzeitig, auch wenn er nur eine Zahl sieht.
Bild: KI-erzeugtGold wird international in Dollar je Feinunze notiert. Der Europreis ergibt sich aus dieser Notierung geteilt durch den Wechselkurs, also aus zwei Bewegungen zugleich.
Die Rechnung dahinter
Die internationale Notierung lautet auf Dollar je Feinunze. Der Europreis je Gramm ergibt sich, indem man diese Notierung durch den Wechselkurs Euro zu Dollar und anschließend durch 31,1035 teilt. Notiert Gold bei 2.600 Dollar und steht der Wechselkurs bei 1,08, ergibt das rund 2.407 Euro je Feinunze und rund 77,40 Euro je Gramm. Steigt der Euro auf 1,15, ohne dass sich die Dollarnotierung ändert, fällt der Europreis auf rund 2.261 Euro je Unze. Der Goldpreis ist also gefallen, obwohl am Goldmarkt nichts passiert ist.
Warum das kein Nachteil sein muss
Für Anleger im Euroraum wirkt der Wechselkurs wie ein Puffer. In Krisenzeiten steigt häufig beides zugleich: die Nachfrage nach Gold und die Nachfrage nach Dollar. Dann verstärken sich die Bewegungen. Umgekehrt kann eine Dollarschwäche einen Anstieg der Goldnotierung für Euroanleger auffressen. Wer den Europreis betrachtet, sieht deshalb eine ruhigere Kurve als jemand, der die Dollarnotierung verfolgt, aber auch eine, die sich manchmal gegenläufig bewegt.
Was das für den Kaufzeitpunkt heißt
Ein niedriger Dollarkurs macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums billiger. Auf den Zeitpunkt zu spekulieren, verlangt allerdings zwei richtige Prognosen statt einer, nämlich zum Metall und zur Währung. In der Praxis lohnt sich deshalb bei größeren Beträgen die Aufteilung auf mehrere Kaufzeitpunkte über einige Monate. Das glättet beide Bewegungen, ohne dass man eine davon vorhersagen muss.
Wo Sie den richtigen Kurs finden
Händlerseiten zeigen den Preis, den sie selbst stellen, also inklusive Spanne. Für den reinen Metallpreis sind Referenzquellen aussagekräftiger, etwa die Notierungen des Londoner Marktes oder die Wechselkursstatistiken der Bundesbank. Achten Sie darauf, ob eine Angabe je Unze oder je Gramm gilt und ob sie sich auf Feingold oder auf eine Legierung bezieht. Ein Preis je Gramm für 585er Material ist etwas völlig anderes als ein Preis je Gramm Feingold.
Der praktische Prüfschritt
Rechnen Sie ein Angebot immer auf den Feingoldpreis je Gramm zurück und vergleichen Sie diese eine Zahl. Ein Händler, der 70 Euro je Gramm für 585er Bruch bietet, zahlt bezogen auf Feingold rund 119,66 Euro je Gramm, was bei einem Referenzpreis von 77,40 Euro unmöglich ist und auf einen Rechenfehler in der Anzeige hindeutet. Umgekehrt entsprechen 42 Euro je Gramm 585er Ware rund 71,80 Euro je Gramm Feingold, also etwa 93 Prozent des Referenzpreises, und das ist ein realistisches, faires Angebot. Ohne diese Rückrechnung vergleichen Sie Zahlen, die sich auf verschiedene Dinge beziehen. Für die laufende Beobachtung genügt eine einzige Kennzahl: der Preis je Gramm Feingold in Euro. Wer sie sich notiert, statt Unzennotierungen in Dollar zu verfolgen, vergleicht immer dasselbe und rechnet jedes Angebot in Sekunden nach. Alles andere, also Unze, Dollar und Wechselkurs, ist der Weg dorthin und muss nicht täglich verfolgt werden.