Was kostet die Scheidung von Altgold?
Die Scheidekosten sind der größte Einzelposten zwischen dem Materialwert Ihres Altgolds und dem, was Sie ausgezahlt bekommen. Sie lassen sich beziffern.
Bild: KI-erzeugtJe nach Menge und Zusammensetzung 2 bis 6 Prozent des Materialwerts, dazu eine Grundgebühr für die Probe. Erst ab mehreren hundert Gramm rechnet sich der direkte Weg.
Was in der Scheidung steckt
Das Material wird eingeschmolzen und homogenisiert, eine Probe entnommen und analysiert. Dann folgt die eigentliche Trennung, meist per Elektrolyse nach Wohlwill, bei der Feingold mit 999,9 Tausendsteln entsteht. Silber fällt als Anodenschlamm an, Kupfer und Zink gehen in den Metallhandel. Jeder dieser Schritte kostet Energie, Chemie, Anlagenzeit und Personal, und die Anlage muss genehmigt, überwacht und gewartet werden.
Die Größenordnung
Für Schmuckschrott liegen die Scheidekosten je nach Anbieter und Menge bei 2 bis 6 Prozent des Feingoldwerts. Dazu kommt häufig eine Grundgebühr für Probennahme und Analyse, oft zwischen 30 Euro und 80 Euro je Los. Bei 100 Gramm Feingold mit einem Wert von rund 7.740 Euro sind das also grob 155 bis 465 Euro Scheidekosten plus Grundgebühr. Bei 10 Gramm frisst die Grundgebühr allein schon einen zweistelligen Prozentsatz.
Warum die Menge alles entscheidet
Die Grundgebühr ist unabhängig von der Menge, der Prozentsatz sinkt mit steigender Menge. Deshalb setzen Scheideanstalten Mindestmengen an, häufig ab 50 Gramm oder 100 Gramm Feingold, teils erst ab 1 Kilogramm Material. Darunter lohnt der Aufwand für keine Seite. Ein einzelner Ring geht deshalb zum Händler vor Ort, ein Nachlass mit mehreren hundert Gramm zur Scheideanstalt.
Was der Händler stattdessen macht
Er bündelt viele kleine Posten zu einem großen und gibt diesen weiter. Seine Marge deckt die Bündelung, die Zwischenfinanzierung und das Kursrisiko. Deshalb zahlt er weniger als eine Scheideanstalt, ist aber für kleine Mengen der wirtschaftlichere Weg. Wer 20 Gramm Bruchgold an eine Scheideanstalt schickt, zahlt Porto, Versicherung und Grundgebühr für einen Erlös von rund 900 Euro und steht am Ende schlechter da.
Die Nebenmetalle als Gegenposten
Bei Zahngold und bei Weißgold mit Palladium können die zurückgewonnenen Nebenmetalle einen spürbaren Betrag ausmachen, den ein pauschal abrechnender Händler nicht vergütet. Fragen Sie bei solchen Posten ausdrücklich nach, ob Palladium und Platin mitbewertet werden. Bei 30 Gramm Dentallegierung geht es dabei um einen dreistelligen Betrag.
Die Rechnung, die Sie aufmachen sollten
Vergleichen Sie nicht Scheidekosten gegen Händlermarge, sondern den Auszahlungsbetrag je Gramm Feingold. Bei 300 Gramm Bruchgold mit 175 Gramm Feingold und einem Kurs von 77,40 Euro liegt der Materialwert bei rund 13.545 Euro. Zahlt der Händler 90 Prozent, sind das 12.190 Euro. Zahlt die Scheideanstalt nach Abzug von Scheidekosten und Grundgebühr 96 Prozent, sind es 13.003 Euro. Die Differenz von rund 813 Euro rechtfertigt Versand, Wartezeit und Papierkram. Bei 30 Gramm sind es 81 Euro, und dann nicht. Ein Punkt, der die Rechnung kippen kann: Manche Scheideanstalten nennen einen hohen Auszahlungssatz und ziehen Scheidekosten separat ab, andere nennen einen niedrigeren Satz, in dem alles enthalten ist. Vergleichbar wird das erst, wenn Sie nach dem Betrag fragen, der am Ende auf dem Konto landet, bezogen auf 100 Gramm Feingold. Diese eine Zahl anzufordern kostet eine E-Mail und macht drei Angebote in einer Minute vergleichbar, während die Prozentangaben in den Preislisten es nicht tun.