Was unterscheidet Weißgold von Platin?
Beide sehen im Schaufenster gleich aus, und im Tragen verhalten sie sich völlig verschieden. Der Unterschied beginnt beim Element.
Bild: KI-erzeugtPlatin ist ein eigenes Element mit einer Dichte von 21,45 Gramm je Kubikzentimeter. Weißgold ist legiertes Gold und wird meist rhodiniert, weil es sonst gelblich wirkt.
Zwei verschiedene Metalle
Platin ist ein eigenes chemisches Element und wird in Schmuck meist als 950er Legierung verarbeitet, also mit 95 Prozent Reinplatin. Weißgold ist Gold, dem weiß machende Metalle zugesetzt sind, früher überwiegend Nickel, heute meist Palladium. Ein 750er Weißgold enthält also 75 Prozent Gold, das von Natur aus gelb ist, und der Rest muss diese Farbe überdecken. Vollständig gelingt das nicht, weshalb Weißgoldschmuck fast immer rhodiniert wird, also mit einer hauchdünnen Schicht Rhodium überzogen.
Das Gewicht verrät es sofort
Platin hat eine Dichte von 21,45 Gramm je Kubikzentimeter, Weißgold je nach Legierung rund 15 bis 16. Ein Platinring wiegt bei identischer Form also etwa ein Drittel mehr. Wer beide in die Hand nimmt, merkt den Unterschied ohne Waage. Für die Herstellung heißt das auch: Ein Platinring kostet allein wegen des Materialeinsatzes mehr, selbst wenn der Kilopreis beider Metalle gerade ähnlich liegt.
Wie sie altern
Rhodium nutzt sich ab. Je nach Trageweise wird ein Weißgoldring nach 1 bis 3 Jahren an den Kanten gelblich und muss neu rhodiniert werden, was beim Juwelier meist zwischen 40 Euro und 90 Euro kostet. Platin verändert die Farbe nicht, weil es durchgehend weiß ist. Es zerkratzt zwar, aber das Material wird dabei nur verdrängt und nicht abgetragen, sodass mit der Zeit eine matte Oberfläche entsteht, die viele als Patina schätzen und die sich jederzeit auspolieren lässt.
Allergien und Verträglichkeit
Nickelhaltiges Weißgold kann Kontaktallergien auslösen, weshalb die Nickelabgabe in der Europäischen Union begrenzt ist und viele Hersteller ganz auf Palladium umgestellt haben. Platin gilt als besonders verträglich, weil es reaktionsträge ist und in der verwendeten Reinheit kaum Beimetalle enthält. Wer empfindlich reagiert, fährt mit Platin oder mit palladiumlegiertem Weißgold besser.
Beim Wiederverkauf
Hier kippt das Bild. Für Altgold gibt es einen dichten Ankaufsmarkt in jeder Stadt, für Platin deutlich weniger Anlaufstellen, und die Spannen sind größer. Rechnen Sie damit, dass ein Platinring im Ankauf prozentual schlechter bewertet wird als ein Goldring, obwohl er teurer war. Prüfen Sie außerdem die Punze: 950 steht für Platin, 750 für Weißgold. Wer beides verwechselt, verschenkt beim Verkauf Geld oder ärgert sich beim Kauf über einen Preis, den er für ein anderes Material gezahlt hat. Im Zweifel entscheidet die Dichtemessung in zwei Minuten. Für die Kaufentscheidung lässt sich das auf drei Punkte bringen. Wer keine Nachbehandlung will, nimmt Platin und zahlt beim Kauf mehr. Wer den niedrigeren Einstiegspreis will, nimmt Weißgold und plant alle 1 bis 3 Jahre 40 Euro bis 90 Euro für das Rhodinieren ein. Und wer auf den Wiederverkauf schielt, sollte wissen, dass beide Wege dort schlecht abschneiden, weil bei gefasstem Schmuck der Arbeitsanteil verloren geht. Über 20 Jahre gerechnet liegen die Gesamtkosten beider Varianten näher beieinander, als der Preis im Schaufenster vermuten lässt.
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)