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Goldhandel · Unterschiede

Warum liegt der Ankaufspreis unter dem Goldkurs?

Die Differenz ist kein Aufschlag zulasten des Kunden, sondern die Summe der Schritte zwischen einem gemischten Posten Altgold und einem handelbaren Feingoldbarren.

Warum liegt der Ankaufspreis unter dem Goldkurs?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Der Spotpreis gilt für standardisierte Großmengen im Interbankenhandel. Der Ankauf trägt Prüfung, Scheidung, Transport, Versicherung und das Kursrisiko bis zum Weiterverkauf.

Was der Spotpreis wirklich beschreibt

Der Weltmarktpreis bezieht sich auf Feingold in Good-Delivery-Qualität, also Barren von rund 400 Feinunzen mit einem Feingehalt von mindestens 995, aus einer anerkannten Schmelze, mit lückenloser Lagerhistorie. Nichts davon trifft auf einen Beutel Trauringe zu. Der Spotpreis ist außerdem ein Preis für sofortige Lieferung in London oder Zürich, nicht für eine Auszahlung in bar an einem deutschen Tresen. Zwischen beiden liegen mehrere Handelsstufen, und jede kostet.

Die Posten der Differenz

Zuerst die Bestimmung des Feingehalts, per Röntgenfluoreszenz oder Strichprobe, bei größeren Posten per Einschmelzen und Probe. Dann die Scheidung, also die chemische Trennung von Gold, Silber und unedlen Metallen, die je nach Menge zwischen 2 und 6 Prozent des Materialwerts kostet. Dazu Transport unter Versicherung, Lagerung, Kapitalbindung und die Absicherung des Kursrisikos für die Tage zwischen Ankauf und Weiterverkauf. Am Ende bleibt die Handelsspanne. Seriöse Ankäufer zahlen für Altgold typischerweise zwischen 88 und 96 Prozent des Feingoldwerts, abhängig von Menge und Sortenreinheit.

Warum Angebote so weit auseinanderliegen

Wer nur weiterverkauft, statt selbst zu scheiden, gibt Kosten weiter. Wer große Mengen bündelt, drückt sie. Reine Posten, etwa nur 585er Bruch, sind günstiger zu verarbeiten als gemischte mit Steinen, Stahlfedern und Uhrengehäusen. Deshalb schwanken Angebote für denselben Posten zwischen Händlern um 10 Prozent und mehr. Ein Vergleich lohnt, aber nur, wenn er auf derselben Basis erfolgt: Preis je Gramm Feingold, nicht je Gramm Ware, und mit derselben Annahme über den Feingehalt.

Das umgekehrte Vorzeichen beim Kauf

Beim Kauf liegt der Preis über dem Spot, aus denselben Gründen in anderer Richtung. Die Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis desselben Händlers ist die wichtigste Kennzahl, wenn Sie Gold als Reserve halten. Bei Anlagemünzen liegt sie oft bei 4 bis 8 Prozent, bei Kleinbarren höher, bei Schmuck bei einem Vielfachen davon. Diese Spanne muss der Kurs erst aufholen, bevor ein Verkauf überhaupt in den Gewinn kommt.

Woran Sie ein faires Angebot erkennen

Ein belastbares Angebot nennt vier Dinge: den zugrunde gelegten Tageskurs, das gemessene Feingewicht, den Prozentsatz davon, den Sie erhalten, und den Zeitpunkt, zu dem der Kurs fixiert wird. Fehlt einer der vier Werte, lässt sich das Angebot nicht vergleichen. Vorsicht ist geboten, wenn der Kurs erst nach dem Wiegen genannt wird oder wenn ein Pauschalpreis je Gramm Ware ohne Angabe des Feingehalts geboten wird. Beides verlagert die Rechnung auf eine Seite, die Sie nicht prüfen können. Lassen Sie sich außerdem sagen, ob das Angebot für den Tag gilt oder nur für die nächste Stunde: Bei Bewegungen von 2 Prozent an einem Tag ist das keine Formalie. Und nehmen Sie Ihre Ware wieder mit, wenn geprüft, aber noch nicht verkauft wurde. Wer darauf besteht, dass eingeschmolzen werden müsse, bevor ein Preis feststeht, arbeitet nicht im Interesse des Verkäufers.

Quellen
  1. LBMA Good Delivery, London Bullion Market Association
  2. Deutsche Bundesbank, Statistiken
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.