Wie hoch ist der Aufschlag bei Goldschmuck gegenüber dem Materialwert?
Bei Barren liegt der Aufschlag im niedrigen einstelligen Prozentbereich, bei Schmuck im dreistelligen. Das ist kein Missstand, sondern die Folge davon, dass Sie zwei verschiedene Dinge kaufen.
Bild: KI-erzeugtIm Laden kostet neuer Goldschmuck meist das Zwei- bis Vierfache seines Materialwerts. Beim Verkauf zählt dagegen nur das Feingewicht, deshalb ist die Lücke zwischen Kaufpreis und Ankaufspreis bei Schmuck am größten.
Woraus sich der Ladenpreis zusammensetzt
Im Preis eines Rings stecken Material, Fertigung, Handel und Steuer. Das Material ist oft der kleinste Posten. Ein Ring von 8 Gramm mit 585 Tausendsteln enthält 4,68 Gramm Feingold. Dazu kommen Arbeitszeit in der Werkstatt, Fassung und Steine, Musterkosten, Ladenmiete, Personal und die Handelsspanne über mehrere Stufen. Zuletzt schlägt die Umsatzsteuer mit 19 Prozent auf alles auf, denn anders als Anlagegold ist Schmuck voll steuerpflichtig. In der Summe landet der Ladenpreis regelmäßig beim Zwei- bis Vierfachen des reinen Metallwerts, bei Markenware und aufwendigen Fassungen auch darüber.
Warum der Ankauf nur das Metall bezahlt
Beim Verkauf an einen Händler zählt fast nur das Feingewicht. Die Fertigung ist verbraucht, denn der nächste Käufer will nicht Ihren Ring, sondern das Gold darin. Der Händler rechnet mit dem Tagespreis für 1 Gramm Feingold, zieht Scheidekosten und seine Spanne ab und zahlt in der Praxis grob 60 bis 85 Prozent des Materialwerts. Wer beim Kauf das Dreifache des Materialwerts bezahlt hat und beim Verkauf drei Viertel davon bekommt, sieht rund ein Viertel des ursprünglichen Betrags wieder. Das ist die eigentliche Zahl, die vor einem Schmuckkauf auf dem Tisch liegen sollte.
Wo Steine den Preis verschieben
Gefasste Steine erhöhen den Ladenpreis erheblich und den Ankaufspreis fast nie. Kleine Brillanten unter 0,1 Karat sind im Wiederverkauf praktisch wertlos, weil das Ausfassen mehr kostet als der Stein einbringt. Beim Wiegen wird ihr Gewicht abgezogen, üblich sind 0,2 bis 0,5 Gramm je Fassung. Größere Steine mit Zertifikat werden getrennt bewertet, dann lohnt sich ein eigenes Gutachten. Bei Modeschmuck mit vielen kleinen Steinen führt genau das regelmäßig zu Enttäuschungen, weil der Kaufbeleg über 2.000 Euro lautet und das Angebot über 180 Euro.
Wann Schmuck seinen Preis dennoch hält
Zwei Fälle gibt es. Erstens Sammlerware mit Herkunft, Punze und Nachfrage, etwa Stücke bekannter Häuser mit Papieren. Dort trägt der Name den Preis, nicht das Metall. Zweitens schwerer, schlichter Schmuck mit hohem Feingehalt, etwa Ketten mit 750 Tausendsteln, bei denen die Fertigung im Verhältnis zum Materialwert klein ist. Wer Gold in tragbarer Form besitzen möchte, fährt damit deutlich näher am Metallwert als mit filigraner Ware.
Was das für die Kaufentscheidung heißt
Wer anlegen will, kauft Barren oder Anlagemünzen und zahlt 2 bis 5 Prozent über dem Metall. Wer Schmuck will, kauft Schmuck und weiß, dass ein großer Teil des Preises Handwerk und Handel bezahlt. Beides ist sinnvoll, nur nicht dasselbe. Problematisch wird es erst, wenn ein Verkaufsgespräch Schmuck als Wertanlage darstellt, denn diese Rechnung geht bei fast jedem Stück im Laden nicht auf.
Vor dem Kauf hilft eine einzige Frage: Wie viel Feingold steckt drin, und was ist das heute wert? Bruttogewicht mal Feingehalt mal Tagespreis, das sind zwei Multiplikationen am Tresen. Die Differenz zum Preisschild ist der Betrag, den Sie für Gestaltung, Handel und Steuer zahlen, und den sollte man kennen, bevor man ihn ausgibt.
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
- § 12 UStG, Steuersätze (Gesetze im Internet)