Wie hoch ist die Spanne zwischen An- und Verkauf?
Die Spanne ist die wichtigste Kennzahl beim Goldkauf und steht in keiner Werbung. Sie lässt sich in einer Minute selbst ermitteln.
Bild: KI-erzeugtBei Anlagemünzen meist 4 bis 8 Prozent, bei Kleinbarren mehr, bei Schmuck ein Vielfaches. Diese Spanne muss der Kurs aufholen, bevor ein Verkauf in den Gewinn kommt.
Was die Spanne ist
Jeder Händler nennt zwei Preise für dasselbe Stück: den, zu dem er verkauft, und den, zu dem er ankauft. Die Differenz ist seine Spanne. Sie deckt Prüfung, Lagerung, Versicherung, Kapitalbindung und Gewinn. Anders als der Aufschlag auf den Metallwert beschreibt die Spanne Ihren tatsächlichen Einstandsverlust: Kaufen und sofort wieder verkaufen kostet genau diesen Betrag.
Die üblichen Werte
Bei Unzenmünzen wie Krügerrand oder Wiener Philharmoniker liegt die Spanne meist zwischen 4 und 8 Prozent. Bei Barren zu 100 Gramm und mehr oft darunter, bei 1 Kilogramm teils unter 3 Prozent. Bei Kleinbarren unter 20 Gramm steigt sie deutlich, bei Grammbarren kann sie 25 Prozent erreichen. Bei Schmuck ist sie kaum zu beziffern, weil Kauf und Ankauf sich auf völlig verschiedene Werte beziehen: Sie kaufen Design und Steuer, verkauft wird Metall.
So ermitteln Sie sie selbst
Suchen Sie auf der Seite eines Händlers denselben Artikel im Verkauf und im Ankauf. Teilen Sie die Differenz durch den Verkaufspreis. Bei 2.520 Euro Verkauf und 2.380 Euro Ankauf sind das 140 Euro oder 5,6 Prozent. Diese eine Zahl macht Anbieter vergleichbar, während Aufschlagsangaben und Rabattversprechen es nicht tun. Prüfen Sie sie am selben Tag, sonst vergleichen Sie Kursbewegungen statt Spannen.
Was die Spanne für die Haltedauer bedeutet
Bei 6 Prozent Spanne muss der Goldpreis um 6 Prozent steigen, bevor ein Verkauf Sie wieder auf null bringt. Bei einer historisch üblichen Jahresschwankung im niedrigen zweistelligen Prozentbereich ist das im Mittel gut ein halbes Jahr. Wer Gold als kurzfristige Spekulation versteht, arbeitet gegen diese Zahl. Wer es über Jahre hält, spürt sie kaum.
Warum die Spanne beim Ankauf breiter wird
Ein Händler kauft nicht zum eigenen Verkaufspreis zurück, weil er das Stück erneut prüfen, lagern und finanzieren muss. Bei geöffneter Verpackung oder fehlender Assay-Karte wird die Spanne zusätzlich breiter, weil die Prüfung aufwendiger ist. Genau deshalb lohnt es, die Schweißfolie eines Barrens geschlossen zu lassen.
Der Vergleich zu anderen Anlagen
Ein Aktien-ETF kostet über die Börse häufig 0,1 bis 0,3 Prozent Spanne plus Ordergebühr. Gold ist mit 4 bis 8 Prozent also deutlich teurer im Ein- und Ausstieg. Das ist kein Argument gegen Gold, aber ein Argument gegen häufiges Umschichten. Wer zweimal im Jahr kauft und verkauft, zahlt bei 6 Prozent Spanne rund 12 Prozent im Jahr an Handelskosten, und das holt kaum eine Kursentwicklung wieder herein. Als Faustregel für die Praxis: Notieren Sie die Spanne vor dem Kauf und schreiben Sie sie zu Ihrem Kaufbeleg. Beim späteren Verkauf sehen Sie dann sofort, ob der Kurs sie eingeholt hat, statt es aus dem Gedächtnis zu schätzen. Bei einer Unzenmünze mit 6 Prozent Spanne und einem Kaufkurs von 2.400 Euro liegt die Schwelle bei rund 2.544 Euro. Darunter ist jeder Verkauf ein Verlustgeschäft, unabhängig davon, wie der Kurs sich angefühlt hat.