Was ist der Unterschied zwischen Nennwert und Materialwert einer Goldmünze?
Die Zahl auf der Münze und ihr Wert haben nichts miteinander zu tun. Der Nennwert erfüllt eine rechtliche Funktion, keine wirtschaftliche.
Bild: KI-erzeugtDer Nennwert ist der aufgeprägte Zahlungsmittelbetrag, der Materialwert das enthaltene Gold. Beim Wiener Philharmoniker stehen 100 Euro einem Metallwert im vierstelligen Bereich gegenüber.
Warum der Nennwert überhaupt draufsteht
Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit, und eine der Voraussetzungen dafür ist, dass die Münze im Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel ist oder war. Ein gesetzliches Zahlungsmittel braucht einen aufgeprägten Betrag. Deshalb trägt der Wiener Philharmoniker in der Unzenausführung 100 Euro und der Maple Leaf 50 kanadische Dollar, obwohl beide ein Vielfaches davon wert sind. Ohne diese Prägung fiele die Steuerbefreiung weg, und der Kauf würde um 19 Prozent teurer.
Der Krügerrand als Sonderfall
Er trägt gar keinen Nennwert. Südafrika hat ihn stattdessen per Gesetz zum unbeschränkten gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt, dessen Wert sich nach dem jeweiligen Goldpreis richtet. Das erfüllt die Voraussetzung ebenfalls, und deshalb ist auch er Anlagegold. Wer eine Münze ohne aufgeprägte Zahl in der Hand hält, hat also nicht automatisch eine Medaille vor sich.
Der Unterschied in Zahlen
Eine Unze Feingold wiegt 31,1035 Gramm. Bei einem Preis von 77,40 Euro je Gramm entspricht das einem Materialwert von rund 2.407 Euro. Dem stehen 100 Euro Nennwert gegenüber, also rund 4 Prozent. Niemand würde mit dieser Münze für 100 Euro bezahlen, und rechtlich müsste ein österreichischer Händler sie zu diesem Betrag annehmen. Praktisch spielt das keine Rolle, weil niemand freiwillig 2.300 Euro verschenkt.
Woran Sie eine Medaille erkennen
Medaillen tragen keinen Nennwert und sind kein Zahlungsmittel. Sie fallen nicht unter die Anlagegold-Regelung, tragen also 19 Prozent Umsatzsteuer, und sie sind im Wiederverkauf schlechter zu platzieren, weil kein standardisierter Markt existiert. Formulierungen wie Gedenkprägung, Jahresmedaille oder Sonderausgabe ohne Angabe eines Ausgabelandes sind das Warnzeichen. Fragen Sie im Zweifel nach dem Nennwert und dem Ausgabestaat.
Was das für den Kauf bedeutet
Der Nennwert ist kein Qualitätsmerkmal und kein Preisargument, sondern eine Eintrittskarte in die Steuerbefreiung. Ob er 100 Euro oder 50 Dollar beträgt, ist gleichgültig. Entscheidend sind Feingewicht, Feinheit und Aufschlag. Wer einen Aufpreis dafür zahlt, dass eine Münze einen hohen Nennwert trägt, zahlt für eine Zahl ohne wirtschaftlichen Gehalt.
Der historische Sonderfall
Bei alten Umlaufmünzen wie dem 20-Mark-Stück des Kaiserreichs oder dem 20-Franken-Vreneli lag der Nennwert einmal nahe am Metallwert, weil sie tatsächlich als Geld dienten. Heute liegt das Verhältnis bei einem Vielfachen, und der Sammlermarkt legt zusätzlich eine Prämie oben drauf. Solche Stücke sind deshalb weder reines Anlagegold noch reine Sammlerware, sondern beides, und ihr Preis lässt sich nur mit Blick auf Erhaltung und Jahrgang beurteilen. Ein Vergleich zum Abschluss: Das 20-Mark-Stück des Kaiserreichs enthält 7,168 Gramm Feingold, entspricht bei 77,40 Euro je Gramm also rund 555 Euro Materialwert. Sein aufgeprägter Nennwert von 20 Mark ist seit über hundert Jahren gegenstandslos. Wer solche Stücke erbt, sollte sie deshalb nicht nach der Zahl auf der Prägung bewerten, sondern nach Gewicht, Feinheit und Erhaltung, und im Zweifel einen Numismatiker fragen, bevor er sie zum Altgoldpreis abgibt. Numismatische Einschätzungen sind bei Händlern meist kostenlos und dauern wenige Minuten.